Die Nacht verläuft nach der leichten Livemusik aus der nahegelegenen Kneipe wieder wunderbar ruhig. Gestärkt vom Frühstück steigen wir vorm Zoo in den Bus, der uns auf direktem Weg ins Zentrum bringt (nicht der rote). Unser erstes Ziel ist der Hafen und dort das Nordatlantische Haus, wo wir uns eigentlich die Kunst- und Kulturausstellung ansehen wollen. Schade nur, dass die Türen sonntags geschlossen bleiben. Doch die Enttäuschung währt nicht lange, denn das Hafengebiet ringsum begeistert sofort. Ein echt tolle Einrichtung ist das kostenlose Hafenbad, wo das kühle Nass mitten im Hafenbecken zu einer Erfrischung einlädt.
Auf dem Rückweg durch das Areal stoßen wir auf die beeindruckende Kulisse von Storms Pakhus. Die alten Lagerhallen aus den 1900er Jahren verströmten einst den rauen Charme des Industriezeitalters und dienten jahrzehntelang als Holz- und Güterlager. Heute schlägt hier das kulinarische und kreative Herz der Stadt. Im Jahr 2017 eröffnet, bietet der Streetfood-Markt auf Tausenden Quadratmetern nicht nur eine unglaubliche Vielfalt an Essen, sondern auch Platz für kreatives Handwerk. Die Hallen sind schlicht fantastisch und mit viel Liebe zum Detail dekoriert. Überall spürt man eine entspannte, wilde Kreativität. Sogar freie Kunst-Workshops werden angeboten, bei denen heute Filzen auf dem Programm steht. Das Angebot richtet sich zwar eher an Kinder, aber selbst wir werden herzlich ermuntert mitzumachen, was wir jedoch freundlich ablehnen.
Mit dem Bus geht es zurück zu unserem Wohnmobil und dann über den Stadtring weiter zur etwas außerhalb gelegenen Galleri Galschiøt. Was uns hier erwartet, sprengt jede Vorstellung. Das gesamte Areal umfasst beeindruckende 10000 Quadratmeter, auf denen sich rund 2000 Quadratmeter Werkstätten, Ausstellungsräume und Ateliers verteilen. Der Zugang zu allen Bereichen ist vollkommen kostenlos. Wir schlendern völlig frei durch die Ausstellungsräume, schauen in das aktive Atelier, werfen Blicke in die Gießerei und spazieren durch den weitläufigen Skulpturengarten. Es ist faszinierend zu beobachten, woran der Initiator Jens Galschiøt und seine Mitkünstler im Moment arbeiten. Die gewaltigen Bronzeskulpturen beeindrucken uns tief.
Galschiøt ist weit über die Grenzen Dänemarks hinaus als aktionistischer Künstler und Humanist bekannt. Seine Kunst versteht er als politischen Protest und Manifest für Menschenrechte sowie Umweltschutz. Weltweit Berühmtheit erlangte er unter anderem mit seiner Skulptur Säule der Schande, die an das Tiananmen-Massaker erinnert, oder den spektakulären Aktionen zu den UN-Weltklimakonferenzen, bei denen er tonnenschwere Skulpturen vor den Verhandlungsorten aufstellte oder tausende 3D gedruckte Minifiguren von Trump verteilte. Zu seinen bekanntesten Motiven gehört die grotesk übergewichtige Justitia, die auf den Schultern eines mageren afrikanischen Mannes sitzt, um die globale Ungerechtigkeit zu verbildlichen, eine Figur, die später im Rahmen politischer Debatten auch mit den Zügen von Donald Trump abgewandelt wurde. Auch seine Interpretation der Freiheitsstatue sorgt immer wieder für Aufsehen. Seine riesigen, oft dystopischen Bronzefiguren prangern soziale Ungerechtigkeit an und hinterlassen eine spürbare Nachwirkung.
Am späteren Nachmittag packen wir unsere Scheiben ein und machen uns auf den Weg zur Discgolfbahn in Bolbro. Der Parcours hat es in sich. Auf den achtzehn anspruchsvollen Bahnen wird uns etwas abverlangt, aber das Spiel macht einfach riesigen Spaß. Völlig zufrieden kehren wir schließlich zum Wohnmobil zurück und verbringen die mittlerweile dritte Nacht auf dem praktischen Langzeitparkplatz am Zoo.