August 08, 2026
0
Ruhige Nacht am Roskildefjord und Aufbruch nach Hillerød

Wir verbringen eine wunderbar ruhige Nacht am Roskildefjord bei Frederikssund. Wir stehen auf dem Parkplatz des Strandbads, zusammen mit zwei anderen Wohnmobilen und einigen Autocampern. Am Morgen wecken uns die ersten Frühsportler, die ihre Autos auf dem Platz parken, um ihre Runden am Wasser zu drehen. Gegen 8:30 Uhr genießen wir unser Frühstück im Wohnmobil und brechen anschließend auf. Unser nächstes Ziel ist Hillerød und das berühmte Schloss Frederiksborg. Eine gesperrte Straße, die unser Navi nicht auf dem Schirm hat, beschert uns einen kleinen Umweg, doch nach etwa 30 Kilometern kommen wir an. Wir entdecken einen kostenlosen Parkplatz, der nur einen Steinwurf vom Barockgarten entfernt liegt.

Der Barockgarten von Frederiksborg

Die nächsten Stunden widmen wir voll und ganz dieser eindrucksvollen Parkanlage. Der Barockgarten wurde in den 1720er Jahren von dem königlichen Baumeister Johan Cornelius Krieger für König Frederik IV. angelegt. Er erstreckt sich über vier Terrassen, die kaskadenartig zum Schlosssee abfallen. In der zentralen Sichtachse sprudeln Wasserspiele über mehrere ebenmäßige Stufen, während das Monogramm des Königs akkurat aus Buchsbaum geformt ist. Diese streng geometrische Ordnung verkörpert den absolutistischen Herrschaftsanspruch jener Zeit, in der die Natur durch den Menschen in vollkommene Harmonie gebracht werden soll. Nach einer Verwilderung im 19. Jahrhundert wird der Garten in den 1990er Jahren nach historischen Plänen akribisch rekonstruiert. Die Pflege erfordert bis heute immensen Aufwand, da Tausende von Buchsbäumen und Lindenformgehölzen regelmäßig von Hand geschnitten werden müssen.
Wir wandern auf der einen Seite des Gartens langsam bergauf. Hinter jeder Biegung bieten sich neue Fotomotive mit Blick über die Terrassen und das Wasser. Fast ganz oben beim Café wechseln wir auf die gegenüberliegenden Seite, um wieder hinabzuwandern. Glücklicherweise ist es anfangs noch angenehm leer, doch je näher wir dem Schloss kommen, desto voller wird es auf den Wegen.

Das Renaissance-Schloss im Slotssøen

Als wir uns dem imposanten Bauwerk nähern, fällt auf, dass ein Flügel des Schlosses eingerüstet ist. Solche aufwendigen Sanierungsarbeiten sind bei einem historischen Bauwerk dieser Größe unumgänglich. Der aggressive Einfluss von Feuchtigkeit durch die Lage direkt im See sowie die Verwitterung des empfindlichen Sandsteins erfordern fortlaufende Restaurierungen an der Fassade. Schloss Frederiksborg gilt als das größte und bedeutendste Renaissance-Schloss Skandinaviens. König Christian IV. lässt den Komplex Anfang des 17. Jahrhunderts auf drei kleinen Inseln im Slotssøen errichten, nachdem er das ursprüngliche kleine Jagdschloss seines Vaters abreißen lässt. Es ist voll im Innenhof, denn dieses nationale Prachtwerk wollen Menschen aus aller Welt sehen.

Drei Stunden im Nationalhistorischen Museum

Für die Innenbesichtigung nehmen wir uns gut drei Stunden Zeit. Seit 1878 beherbergt das Schloss das Dänische Nationalhistorische Museum, das von J.C. Jacobsen, dem Gründer der Carlsberg-Brauerei, nach einem verheerenden Brand im Jahr 1859 ins Leben gerufen wird. Wir durchschreiten prunkvolle Säle mit historischen Möbeln, Tapisserien und zahllosen Porträts, die die dänische Geschichte erzählen. Besonders beeindruckend wirkt der Rittersaal mit seiner aufwendig geschnitzten Holzdecke.
Während unseres Rundgangs stoßen wir auf zwei ganz besondere wissenschaftsgeschichtliche Exponate. In einem eigenen Ausstellungsraum bewundern wir die detailgetreue Kopie der berühmten Gottorfer Himmelssphäre. Das historische Original aus dem 17. Jahrhundert gilt als eines der größten Wunderwerke der damaligen Feinmechanik und Astronomie. Die imposante Globus-Konstruktion zeigt auf ihrer Außenseite eine präzise Kartierung der Sternbilder und beherbergt in ihrem Inneren eine hochentwickelte Mechanik, die den Lauf der Gestirne abbildet. Hier schließt sich der Kreis zu Schloss Gottorf in Schleswig wo wir unseren Urlaub begannen und der Schlosspark geschlossen war. Ein Tellurium ist ein mechanisches Modell welches über ein präzises Zahnradsystem die komplexen Bewegungen von Erde und Mond um die Sonne veranschaulicht. Auf diese Weise zeigt das Exponat alltägliche astronomische Phänomene wie den Wechsel der Jahreszeiten, Tag und Nacht sowie die Entstehung von Mondfinsternissen. Es fasziniert als Meisterwerk der Feinmechanik und vermittelt eindrucksvoll den wissenschaftlichen Forschungsdrang vergangener Epochen.
Einige Säle weiter im Museumsparcours erwartet uns ein weiteres astronomisches Highlight: eine eindrucksvolle Kuppel mit den Sternbildern. Diese kunstvoll gestaltete Kuppel zeigt mit ihren golden ausgearbeiteten Konstellationen und der tiefblauen Farbgebung, wie intensiv sich die Gelehrten der Renaissance mit den Rätseln des Universums beschäftigten.

Schlosskirche und Ausklang in Hillerød

Die moderneren Gemälde im Obergeschoss sparen wir bewusst aus und konzentrieren uns stattdessen auf das historische Herzstück. Ein besonderes Highlight wartet ganz zum Schluss auf uns: die Schlosskirche. Diese ist am Vormittag wegen vier aufeinanderfolgender Trauungen für Besucher geschlossen. Als sich die Türen schließlich öffnen, zeigt sich ein atemberaubender Raum, der den Brand von 1859 fast unbeschadet überstanden hat. Die originale Innenausstattung aus der Zeit Christians IV. mit reich verzierten Holzintarsien, der prächtigen Compenius-Orgel von 1610 und dem vergoldeten Altar beeindruckt.
Nach der ausgiebigen Dosis Kultur genießen wir eine Pause im Innenhof. Anschließend spazieren wir durch die Stadt zum Kirppu-Trödelladen, in dem Privatpersonen Regale für ihren Flohmarktbedarf mieten. Auf dem Rückweg zum Wohnmobil durchkreuzen wir noch einmal den Park und decken uns anschließend bei Lidl mit Proviant und Wasser ein.
Für die Nacht finden wir einen perfekten Standplatz auf einem Parkplatz am äußersten Ende des Parks. Der Platz ist eben, angenehm schattig und gratis. Hier genießen wir die Ruhe nach einem erlebnisreichen Tag.