August 06, 2026
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Nach einer letzten ruhigen Nacht am Hafen von Roskilde verlegen wir unseren Standort an einen Parkplatz nahe der Innenstadt Roskildes. Von dort sind wir nach nur kurzem Gang auf dem Domplatz. 
Wir lösen ein Ticket (ca.11€ pro Person) und treten durch das Seitenportal in den Roskilder Dom. Die mächtige Kathedrale aus rotem Backstein, die seit 1995 als UNESCO-Weltkriturbe geschützt ist, gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der nordeuropäischen Baukunst. Wenn wir den Blick durch das weite, dreischiffige Langhaus wandern lassen, spüren wir sofort die besondere Verbindung aus historischer Bedeutung, königlicher Tradition und meisterhafter Steinmetzkunst.
Besonders faszinierend sind die kunstvollen Details im Chorgestühl, das um das Jahr 1420 gefertigt wurde. Beim genauen Hinsehen entdecken wir an den geschnitzten Bänken erstaunliche biblische Darstellungen. Eine ganz eigenwillige Besonderheit sticht uns dabei ins Auge: Bei der Szene von Kain und Abel nutzt Kain überraschenderweise einen getrockneten Fisch als Hiebwaffe. Solche kuriosen Details zeigen mit wie viel Witz, Fantasie und zeitgenössischer Symbolik die mittelalterlichen Handwerker hier gearbeitet haben. Auch die Retabel des Hauptaltars aus der Antwerpener Renaissance zieht uns mit ihren vergoldeten Schnitzereien in ihren Bann. Sie war ursprünglich gar nicht für Roskilde, sondern Danzig bestimmt und gelangte im 16. Jahrhundert über "verschlungene Wege" auf der Ostsee nach Roskilde.
Ein Stück weiter fällt unser Blick auf den majestätischen Königsstuhl, der erhöht über dem Hauptschiff thront und den dänischen Herrschern während der Gottesdienste vorbehalten war. Der Dom dient bereits seit dem Mittelalter als traditionelle Begräbnisstätte der dänischen Monarchen. Beim Rundgang fallen uns nicht nur die zahlreichen historischen Grabsteine im Boden auf, sondern vor allem die prunkvollen Sarkophage. Mitten im Chor ruht Königin Margrethe I., die einst die Kalmarer Union schuf und Skandinavien vereinte. Ihr gotischer Alabastersarkophag gilt als eines der bedeutendsten Kunstwerke des Mittelalters. In den umliegenden Kapellen stehen fast vierzig weitere königliche Sarkophage aus knapp tausend Jahren Geschichte, die den architektonischen Wandel von der Gotik über die Renaissance bis zum Klassizismus widerspiegeln.
Auch an den Wänden verbergen sich historische Schätze. Ein recht kleines, aber feines Fresko überrascht uns auf einem der Pfeiler, während wir in der Kapelle der heiligen Birgitta von einer weitläufigeren Wandmalerei mit einem außergewöhnlichen Teufel angeschaut werden. Die kleine Trolles Kapelle stammt ursprünglich aus dem Jahr 1405, wurde 1644 zur Grabkapelle der Familie Trolle und ist mit einem Tor mit einem schmiedeeisernen Troll geschmückt. 
Hoch oben über den Bögen ragt die prächtige Barockorgel empor, deren historische Pfeifen den riesigen Raum akustisch wie optisch beherrschen. Wer zur rechten Zeit nach oben blickt, erlebt ein ganz besonderes Schauspiel an der mittelalterlichen Uhr des Doms. Das automatische Figurenspiel zeigt den heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen: Zu jeder viertel Stunde erklingt das normal Geläut und vollen Stunde stößt der Drache einen markanten Todesschrei aus und Georg besiegt das Ungeheuer aufs Neue.
Wir nehmen uns etwas Zeit und setzen uns auf eine der hölzernen Bänke und lauschen dem Organisten der gerade auf dem alten Instrument übt.
Nach den tiefen Eindrücken im majestätischen Dom ist der Tag noch lange nicht zu Ende. Wir schlendern weiter durch die Kopfsteinpflastergassen und stehen wenig später im Lützhøfts Købmandsgård. Dieser historische Kaufmannshof entführt uns augenblicklich in das frühe 20. Jahrhundert, genauer gesagt in das Jahr 1920.
Der idyllische Innenhof empfängt uns mit einer wunderbar entschleunigten Atmosphäre. Während im Hintergrund ein paar Hühner geschäftig durch das Pflaster scharren, erkunden wir die verschiedenen alten Werkstätten des Anwesens. In der Tischlerei und den Lagerräumen riecht es nach Holz, altem Werkzeug und vergangenem Handwerk. Ein besonderes Highlight ist der voll funktionstüchtige Kaufmannsladen. Hinter dem langen Holztresen stapeln sich historische Dosen, Gewürze und Waren aus einer längst vergangenen Zeit. Wir nutzen den charmanten Hof für eine kleine Pause, packen unser Picknick aus und genießen die ruhige Stimmung inmitten des historischen Ensembles.
Gestärkt setzen wir unseren Spaziergang fort und steuern das Zentrum der Stadt an. Der Weg führt uns über den belebten Marktplatz, den Stændertorvet, der seit dem Mittelalter das Herzstück des städtischen Lebens in Roskilde bildet. Gleich daneben liegen die gelben Gebäude Roskilde Stiftsøvrighed, der geschichtsträchtige Sitz der Diözese, dessen Architektur wunderbar mit dem historischen Stadtbild harmoniert. Nur wenige Straßen weiter erreichen wir schließlich das Roskilde Kloster. Auch wenn wir das Gebäude heute nur von außen betrachten, strahlt das ehemalige Dominikanerkloster aus dem 12. Jahrhundert eine faszinierende Ruhe aus. Später wurde es als adeliges Fräuleinstift genutzt, was sich bis heute in der eleganten Backsteinarchitektur und der gepflegten Parkanlage widerspiegelt. Mit vielen schönen Eindrücken machen wir uns schließlich auf den Weg zurück zum Wohnmobil. Wir verlassen die Stadt in Richtung Viby, um eine Runde Discgolf auf einem tollen Platz zu spielen, den wir bereits vor Jahren einmal besucht hatten. Er ist immer noch sehr gepflegt und wir haben eine schöne Runde. Danach fahren wir etwa 30 km in Richtung Norden, nach Skibbe, wo wir einen Platz für die Nacht zwischen Roskildefjord und einen See finden. Morgen möchten wir hier im Dorf das Schloss Selsø besichtigen. 
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