Nach einer herrlich ruhigen Nacht auf dem Langzeitparkplatz am Zoo genießen wir am Morgen unser Frühstück. Aufmerksam planen wir den weiteren Tag: Wir beschließen, unser Wohnmobil kurzfristig umzuparken. Zwar haben wir unseren geschätzten Oldtimer brav für die Umweltzone registriert, doch als Bestätigung gab es lediglich ein eher allgemeines Standarddokument. Da dänische Umweltzonen extrem streng kontrolliert werden und saftige Bußgelder drohen, gehen wir lieber auf Nummer sicher. Wir steuern ein Industriegebiet außerhalb der Zone an, wo wir unser mobiles Zuhause beruhigt abstellen.
Von hier aus spazieren wir rund zehn Minuten zu unserem ersten Tagesziel: dem Odense Bunkermuseum. Es ist toll, dass wir ihn in unsere Tour einbauen konnten, da er nur samstags und sonntags geöffnet ist. Die Anlage verbirgt sich als gut erhaltenes Relikt des Kalten Krieges unter der Erde neben bzw. unter einer Jugendherberge. Da der Zivilschutzbunker erst nach dem Jahr 2000 außer Dienst gestellt wurde, befindet er sich in einem bemerkenswert guten Zustand. Ein sympathischer junger Guide führt uns auf Englisch durch die unterirdischen Räume.
Aufgrund heutiger Brandschutzauflagen mussten zwar einige Gegenstände weichen, doch die Atmosphäre ist nach wie vor greifbar. Besonders der Kommandoraum mit seinen alten Bildschirmen, Schalttafeln und Lageplänen fasziniert uns nachhaltig. Solch eine authentische Einsatzzentrale haben wir bisher noch in keinem anderen Bunker, den wir in Ost und West besucht haben, gefunden.
Aufgrund heutiger Brandschutzauflagen mussten zwar einige Gegenstände weichen, doch die Atmosphäre ist nach wie vor greifbar. Besonders der Kommandoraum mit seinen alten Bildschirmen, Schalttafeln und Lageplänen fasziniert uns nachhaltig. Solch eine authentische Einsatzzentrale haben wir bisher noch in keinem anderen Bunker, den wir in Ost und West besucht haben, gefunden.
Am Ende der Führung gibt es für uns noch eine praktische Überraschung. Da am ersten Urlaubstag mein Gürtel den Geist aufgegeben hatte, nutze ich die Gelegenheit und erstehe im Souvenirbereich einen originalen Gürtel des dänischen Zivilschutzes. Den Canvasstoff ziert rückseitig die prachtvolle dänische Krone. Ein wunderbares und stabiles Andenken für unterwegs.
Unser Guide rät uns anschließend, den Weg in die Innenstadt direkt zu Fuß anzutreten, da der Bus mit Warten kaum schneller wäre. Wir folgen dem Tipp gern und schlendern stadteinwärts. Unser erster Stop führt uns mitten in das malerische Kopfsteinpflaster-Viertel rund um das Hans-Christian-Andersen-Haus. Hier, in der Nähe seines, mutmaßlichen Geburtshauses, begegnen uns auf Schritt und Tritt bronzene Figuren und liebevoll gestaltete Statuen, die direkt auf die berühmten Märchen des Dichters anspielen. Das lebendige Treiben in den historischen Gassen ist stellenweise etwas überlaufen.
Ein absolutes Highlight entdecken wir zufällig in einer der alten Straßen: einen wunderbar nostalgischen Kaufmannsladen, den Kramboden i Odense in der Nedergade. Vom Sortiment erinnert er an eine Art Manufaktum, wirkt jedoch noch um ein Vielfaches authentischer. Von traditionellen Beschlägen, über Bürsten, klassisches Küchengerät, alte Spielzeug und Süßigkeiten bis hin zu alten Lampen und seltenen Ersatzteilen gibt es hier absolut nichts, was es nicht gibt. Man fühlt sich augenblicklich in eine andere Zeit versetzt.
Weiter geht unser Weg vorbei am eleganten Schloss Odense, das einst als Barockresidenz diente und heute den Sitz der Kommunalverwaltung beherbergt. Der Hunger meldet sich, weshalb wir uns am Bäckereiregal mit frischem Proviant eindecken und eine kleine Picknickpause im Grünen einlegen.
Gestärkt setzen wir unseren Kulturspaziergang fort. Wir passieren das imposante Rathaus mit seiner filigranen Backsteinarchitektur, sowie einige andere fotogene alte Bauten und erreichen schließlich das Areal der Brandts Klædefabrik. Wo früher Textilien im großen Stil gewoben wurden, erstreckt sich heute ein charmantes Kulturzentrum. Die riesigen Industriehallen beherbergen Galerien, Ausstellungen, Ateliers und einladende Cafés, die dem Viertel ein wunderbar kreatives Flair verleihen.
Auf dem Weg durch ein weiteres Stadtviertel werfen wir noch einen Blick auf das bescheidene Elternhaus von Hans Christian Andersen, in dem der Dichter seine Kindheit verbrachte. Es wirkt im Vergleich zum modernen Museumskomplex schlicht.
Spät am Nachmittag spüren wir jeden einzelnen gelaufenen Kilometer in den Füßen. Auf dem Rückweg zum Wohnmobil passieren wir das Areal von Nonnebakken. Diese ehemalige Ringburg aus der Wikingerzeit zählt zusammen mit anderen dänischen Wikingerburgen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Vor Ort ist oberirdisch zwar kaum etwas von den einstigen Wällen zu erkennen, und das Informationszentrum hat um diese Uhrzeit bereits geschlossen, doch eine anschauliche Infotafel im Park vermittelt in etwa einen Eindruck der einstigen Festung von König Harald Blauzahn. Aber insgesamt eine sehr stiefmütterliche Darstellung eines Unesco Welterbes.
Schließlich erreichen wir glücklich unser Wohnmobil im Gewerbegebiet, rollen zurück auf unseren Stellplatz am Zoo und machen uns frisch. Bei einem gemütlichen Abend lassen wir die vielfältigen Eindrücke zwischen Kalten-Kriegs-Geschichten, dänischem Design und Märchenzauber entspannt Revue passieren.