Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht in den einfachen Zimmern des ehemaligen Klosters beginnen wir den Tag mit einem süßen italienischen Frühstück. Vom schönen Ausblick (wie auf unserem Aufmacher) ist leider nichts zu sehen, da Erice komplett im Nebel hängt. Trotzdem begeben wir uns mit einem Plan von der Rezeption auf einen Stadtrundgang. Zunächst gehen wir durch die enge, gepflasterte Gassen, denn an Aussichten ist überhaupt nicht zu denken. Wir durchstreifen die Sträßchen bis zur einen Stadttor, dann entlang den Resten der Stadtmauer und kommen schließlich an das Stadttor nach Trapani, wo der mächtige Duomo Reale uns erwartet. Diese aus der Zeit der Normannen stammende Kirche mit einem Portikus versehen und im gotischen Stil. Sie soll auf einem alten vorchristlichen Heiligtum erbaut sein. Im Innern fallen die besonders schönen Steinmetzarbeiten an der Decke auf. Wir haben uns das Kirchenbesichtigungsticket für Erice gekauft und bekommen ein Heft mit Plan, der nun „abgearbeitet“ wird. Damit ausgestattet ziehen wir weiter durch die engen Gassen und kleinen Plätze und besichtigen so mit der Zeit eine ganze Menge Kirchen und Klöster. Die meisten sind im heutigen Zustand im Barockstil, wobei einige auf alte normannische Gründungen zurückgehen, was an Fresken oder Bauelementen erkennbar ist. Schließlich klart es auf und wir kommen an den Park Bialo, einer hübschen Grünanlage, von wo wir aus fantastische Ausblicke über die Ebenen und das Meer genießen können. Nun heißt es Abschied nehmen von diesem Bergnest. Wir fahren über viele Serpentinen hinunter in die Ebene, wo wir uns auf die Autostrada setzen, um ins circa 110 km entfernte Selinunt an die Südküste zu fahren. Die Fahrt verläuft stressfrei und so treffen wir gut anderthalb Stunden später am archäologischen Park von Selinunt ein.
Hier erwartet uns als Highlight ein noch weitgehend aufrecht stehender dorischer Tempel in der antiken Stadt Selinunte an der Südküste Siziliens.
Die griechische Siedlung wurde bereits im frühen 7. Jahrhundert v. Chr. gegründet und markierte einst die westlichste Ausdehnung der griechischen Kolonien auf der Insel. Damit lag Selinunte unmittelbar an der Grenze zum Einflussgebiet der Phöniker und später der Karthager – zwei mächtiger Seefahrervölker aus dem westlichen Mittelmeerraum.
Die Phöniker, ursprünglich aus dem Gebiet des heutigen Libanon, hatten schon früh Handelsstützpunkte auf Sizilien gegründet.Zwischen den griechischen Städten im Osten und den Karthagern im Westen kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, bis Selinunte schließlich im Jahr 409 v. Chr. von den Karthagern erobert und weitgehend zerstört wurde.
Trotz dieser bewegten Geschichte sind die Überreste beeindruckend.
Das Tempelgebiet ist riesig – Selinunte besaß einst mindestens sieben große dorische Tempel. Besonders bekannt ist der Tempel E, der der Göttin Hera geweiht war und heute noch weitgehend aufrecht steht. In der Nähe der ehemaligen Akropolis sieht man die Reste weiterer Tempel – darunter Tempel C, dessen eindrucksvolle Säulenreihe sich noch deutlich gegen den Himmel abzeichnet.
Da das Gelände sehr weitläufig ist, nehmen wir das Golfcart-Ticket, um die Strecke etwas abzukürzen – sonst wäre es in den knapp dreieinhalb Stunden bis 17 Uhr kaum zu schaffen. Die Ausgrabungen sind atemberaubend, und der Blick über die Küste macht diesen Ort zu einem der eindrucksvollsten Zeugnisse der antiken Welt.
Als wir kurz vor 17 Uhr im Hotel ankommen, sind wir glücklich, erfüllt und voller neuer Eindrücke. Wir haben Meerblick und Moni nimmt ein Bad in den Wellen. Im gehen wir ins Dorf und stillen unseren Hunger mit Pizza und Pane Nero, einer Art dunklem Baguettestück mit Sardinen(paste?) und reichlich Olivenöl.