Oktober 18, 2025
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Der Morgen beginnt freundlich. Im B&B Maryam23 gibt es ein gutes Frühstück mit Cappuccino und unter anderem einem leckeren selbstgemachten Nusskuchen. Danach machen wir uns zu Fuß auf den Weg ins Zentrum von Ortygia, der Altstadtinsel von Syrakus.
Wir starten an den Resten einer römischen Straße, die noch Teile des alten Pflasters zeigt, und folgen dann dem Weg über die Brücke hinüber auf die Insel. Gleich am Eingang von Ortygia stehen die Überreste des Apollon-Tempels, eines der ältesten dorischen Tempel auf Sizilien, errichtet um 570 v. Chr. Seine mächtigen, teilweise aufrecht stehenden Säulen geben eine gute Vorstellung von der Größe des Heiligtums.

Ein Stück weiter, auf der Piazza Archimede, steht die Fontana di Diana, ein barocker Brunnen aus dem Jahr 1907, der die Göttin Diana mit der Nymphe Arethusa zeigt. Die mythologische Szene erinnert daran, dass der Ursprung der Quelle Arethusa eng mit der Geschichte Syrakus’ verbunden ist.

Unser Weg führt weiter zur Kirche Santa Maria della Concezione, die ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert stammt. Ihre Fassade ist reich mit Voluten und Pilastern geschmückt – ein schönes Beispiel des sizilianischen Barock. Danach biegen wir in die Vicolo I alla Giudecca ein, in das ehemalige jüdische Viertel. Hier stehen kleine Häuser mit schönen Giebeln und Balkonen, die Gassen sind eng, aber gepflegt, und man spürt etwas vom alten Ortygia.
In der Chiesa di San Filippo Apostolo nehmen wir an einer halbstündigen Führung durch ihre faszinierende Unterwelt teil. Unter der schlichten Kirche im ehemaligen jüdischen Viertel von Ortygia verbirgt sich ein vielschichtiges, in den Fels gehauenes Labyrinth. Die Gänge, deren oberste Ebene die Krypta bildet, wurden ursprünglich in der griechischen Antike als Steinbruch angelegt und dienten später als Zisternen zur Wasserversorgung. Im Zweiten Weltkrieg wandelte man das weitläufige System zu einem Luftschutzbunker für Tausende von Menschen um. Über eine aus einem alten Brunnenschacht entstandene Wendeltreppe erreicht man die tiefste Stufe: eine mittelalterliche Mikwe, ein rituelles jüdisches Tauchbad, das als eines der ältesten auf Sizilien gilt.

Nur wenige Schritte weiter sehen wir die Fassade der Kirche San Giovanni Battista, ein Bau aus dem 13. Jahrhundert, der romanische und gotische Elemente zeigt. Anschließend streifen wir noch kreuz und quer durch die Gassen und erreichen die berühmte Fonte Aretusa, eine Süßwasserquelle direkt am Meer, in der Papyrus wächst. Der Legende nach wurde hier die Nymphe Arethusa von der Göttin Artemis in eine Quelle verwandelt, um sie vor dem Flussgott Alpheios zu schützen.

Auf dem Rückweg zur Piazza del Duomo machen wir einen kurzen Halt an der Kirche Santa Lucia alla Badia, mit ihrer eleganten Barockfassade und einem Gemälde der heiligen Lucia von Caravaggio im Inneren. Der anschließende Platz mit dem Dom von Syrakus ist das Herzstück der Stadt. Er wurde im 7. Jahrhundert aus den Resten eines antiken Athena-Tempels errichtet – die dorischen Säulen sind noch heute in die Seitenwände integriert. Im 18. Jahrhundert erhielt der Dom seine prächtige barocke Fassade, entworfen von Andrea Palma. Sie gilt als eine der schönsten des ganzen Mittelmeerraums. (leider hinter Gerüsten verborgen)

Am Nachmittag verlassen wir Syrakus und fahren etwa 100 Kilometer nordwärts, an Catania vorbei, bis zur Abzweigung bei Giarre, von dort hinauf zur Südstation des Ätna auf rund 1.900 Metern Höhe. Das Wetter ist kühl und wolkig, die Sicht auf den Gipfel bleibt uns heute verwehrt. Wir spazieren durch das Lavafeld, fotografieren die dunklen Ströme und die beiden Krater, den Piccolo und den Grande Silvestri, Überreste eines Ausbruchs von 1892. Die Landschaft wirkt rau, fast unwirklich, aber faszinierend.

Gegen Abend erreichen wir unsere Unterkunft, das B&B Villa Maria Giovanna bei Taormina. Der Hausherr begrüßt uns herzlich, erklärt alles genau und gibt uns viele gute Tipps für die Umgebung. Das Haus liegt inmitten von Zitronenhainen, die tatsächlich an Goethes Italienbilder erinnern. Es ist einer jener Orte, bei denen man bedauert, nur eine Nacht zu bleiben.