Nach einer erholsamen Nacht im B&B Cinisi 89 beginnen wir den Tag mit einem liebevoll angerichteten Frühstück: frisches Obst, Gebäck, Cappuccino – alles einfach, aber mit viel Herz zubereitet. Danach buchen wir uns online Tickets für den 10 Uhr Direktbus nach Palermo. Für nur 3 € sind wir in gut einer halben Stunde im Zentrum – unkompliziert und angenehm.
Wir steigen am Teatro Politeama an der Piazza Ruggero Settimo aus. Der große Platz mit dem bronzenen Vierspänner auf dem Dach des Theaters bildet den westlichen Beginn des historischen Stadtzentrums. Von hier führt die elegante Via Ruggero Settimo weiter bis zur Piazza Giuseppe Verdi, wo das Teatro Massimo steht – das größte Opernhaus Italiens und eines der größten Europas. Der neoklassizistische Bau wurde 1897 eröffnet und besticht durch seine klare, monumentale Fassade mit korinthischen Säulen und der weiten Freitreppe.
Weiter geht es durch die Innenstadt zur Piazza Quattro Canti, dem barocken Mittelpunkt Palermos. An den vier Ecken stehen konkave Fassaden mit Figuren der Jahreszeiten, der spanischen Könige und der Schutzheiligen der Stadtviertel – ein Musterbeispiel barocker Stadtplanung. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Collegio Massimo dei Gesuiti, ein imposanter Bau aus dem 16. Jahrhundert, heute Sitz der Bibliothek.
Nur wenige Schritte weiter steht der Palazzo Santa Ninfa, einst Stadtpalais einer Adelsfamilie, heute Sitz der Regionalverwaltung.
Nur wenige Schritte weiter steht der Palazzo Santa Ninfa, einst Stadtpalais einer Adelsfamilie, heute Sitz der Regionalverwaltung.
Wir gehen weiter Richtung Altstadt bis zum Palazzo dei Normanni, dem Normannenpalast. Der ursprünglich im 9. Jahrhundert von den Arabern erbaute Palast wurde nach der normannischen Eroberung im 11. Jahrhundert zur königlichen Residenz umgebaut. Im Inneren befindet sich die berühmte Cappella Palatina, die König Roger II. 1130 errichten ließ. Sie gilt als eines der eindrucksvollsten Beispiele für das Zusammenwirken verschiedener Kulturen auf Sizilien.
Die Decke der Kapelle besteht aus kunstvoll geschnitzten arabischen Muqarnas, die in ihrer feinen Holzarbeit islamische Geometrie und Ornamentik zeigen. Die Wände sind mit byzantinischen Mosaiken geschmückt, die in leuchtendem Gold Szenen aus dem Alten und Neuen Testament darstellen. Besonders eindrucksvoll ist das große Christus-Pantokrator-Mosaik in der Apsis. Der Boden wiederum zeigt feine geometrische Intarsienarbeiten normannisch-sizilianischer Kunst. Trotz teilweise laufender Restaurierung vermittelt die Kapelle einen einzigartigen Eindruck vom kulturellen Zusammenspiel der Insel – arabisch, normannisch, byzantinisch.
In einem der anderen Säle im Palazzo befindet sich aktuell eine Sonderausstellung zu Elliott Erwitt, einem der großen Fotografen des 20. Jahrhunderts, bekannt für seine humorvollen und zugleich präzisen Schwarz-Weiß-Aufnahmen.
Auf dem Rückweg spazieren wir noch durch die Giardini Reali, den königlichen Garten hinter dem Palazzo Normanni, ein ruhiger Ort mit Palmen, Kakteen und alten Bäumen – ein schöner Kontrast zur geschäftigen Stadt.
Nach dem Besuch des Palastes gehen wir durch die Porta Nuova, das monumentale Stadttor mit seinen vier Mohrenfiguren, die die arabischen Gegner der Normannen symbolisieren. Von dort sind es nur wenige Schritte zur Kathedrale von Palermo, die ebenfalls Teil des UNESCO-Welterbes ist.
Ohne Ticket lassen sich der Vorplatz, die Fassade und der Innenraum des Hauptschiffs besichtigen. Die Kathedrale wurde ab dem 12. Jahrhundert erbaut und über Jahrhunderte immer wieder verändert, was den spannenden Stilmix erklärt: arabische Ornamente an den Seitenmauern, gotische Portale, barocke Kuppeln. Besonders auffällig ist das Hauptportal, dessen Säulen mit feinen Reliefs und Figuren geschmückt sind – auf einer Säule ist sogar eine arabische Inschrift erhalten.
Im Inneren ist der Meridian auf dem Boden interessant – eine Linie aus Messing, durch die ein Sonnenstrahl zur Mittagszeit den Jahreslauf anzeigt. Nach betreten des Portals fällt als erstes ein kunstvoll gearbeitetes Weihwasserbecken ins Auge.
Wir schlendern noch weiter durch die etwas ruhiger gewordenen Straßen, stärken uns noch mit Cafe frappe und Tiramisu.
Am Nachmittag nehmen wir die Regionalbahn zurück nach Cinisi – eine entspannte Rückfahrt, die Gelegenheit bietet, die Eindrücke der Stadt noch einmal Revue passieren zu lassen und an diesem Blog zu schreiben. Palermo zeigt in jedem Winkel, wie hier über Jahrhunderte Kulturen aufeinandergetroffen und miteinander verschmolzen sind.