April 08, 2026
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Wir starten heute um 9.30 Uhr mit dem Zug von Ercolano aus. Die etwa einstündige Fahrt führt uns direkt an der Küste entlang und bietet immer wieder schöne Ausblicke auf den Golf von Neapel und den heraufragenden Vesuv. Nach vielen Tunneln in Sorrent angekommen, tauchen wir sofort in das typische Flair der Halbinsel ein. Unser erster Weg führt uns durch einen der charakteristischen Zitronenhaine. Die leuchtend gelben Zitronen hängen schwer unter den Schutznetzen, die die Bäume vor Wind und Kälte schützen. Der Duft in diesen Gärten ist betörend und steht symbolisch für die gesamte Region. Die Bäume blühen bereits und tragen Früchte für die erste Ernte im Mai. Wir entdecken einen Baum, der Orangen und Zitronen trägt. Wir denken das dies eine Art Pfropfung wie z.B. bei Apfelbäumen ist.
Museo Correale di Terranova: Ein Blick in die sorrentinische Adelswelt
Das absolute Highlight unseres Vormittags ist der Besuch des Museo Correale di Terranova, das in einer prächtigen Patriziervilla untergebracht ist. Wir nehmen uns die Zeit, das Haus von Grund auf zu erkunden.
Im Keller des Hauses stoßen wir auf die archäologische Abteilung. Hier werden Funde aus der griechischen und römischen Epoche Sorrents ausgestellt, darunter beeindruckende Grabbeigaben und Marmorfragmente, Bleiwasserleitungen, die belegen, dass Sorrent schon in der Antike ein begehrter Rückzugsort der Elite war. Sogar ägyptische Skulpturen gehören zur Sammlung.
In den oberen Etagen wandeln wir durch die prunkvollen Wohnräume der Familie Correale. Wir bewundern die wertvollen Sammlungen von internationalem Porzellan aus dem 18. Jahrhundert (Meißen und andere), kostbare Uhren und fein gearbeitete Intarsienmöbel, die berühmte sorrentinische Holzeinlegearbeit. Es gibt eine Gemäldegalerie mit Werken der Schule von Posillipo, die die Landschaft Kampaniens in einer romantischen Lichtstimmung einfängt. Interessant ist such die Sammlung an Fächern bis ins 19.Jh. Besonders beeindruckend ist der kleine Spiegelsaal, der mit seinem Prunk, Blattgold und Konsolentischen wie ein Miniatur Versailles wirkt.​In der Abteilung für Spielzeug und Kuriositäten stoßen wir auf ein faszinierendes Objekt der Kulturgeschichte: einen Spieltisch für Biribi. Dieses Spiel gilt als einer der direkten Vorläufer des heutigen Roulettes. Statt eines Kessels gibt es hier ein Spielfeld mit 70 nummerierten Feldern und entsprechenden Losen, die aus einem Beutel gezogen werden. Das Spiel war im 18. Jahrhundert in den Adelskrisen extrem populär, aber auch berüchtigt, da es oft um hohe Einsätze ging und aufgrund des hohen Suchtpotenzials in vielen europäischen Staaten zeitweise verboten wurde. Für uns ist es ein spannendes Zeugnis der damaligen Freizeitkultur und der mathematischen Anfänge des Glücksspiels.
Zum Abschluss spazieren wir durch den weitläufigen Museumspark. Zwischen  Zitrusbäumen führt uns der Weg durch Tunnel bis zur Terrasse am Ende des Gartens. Von hier aus bietet sich uns ein atemberaubender Panoramablick über die Steilküste und den tiefblauen Golf.
Wieder zurück im Zentrum erreichen wir die Piazza Tasso, den pulsierenden Mittelpunkt Sorrents. Ein paar Schritte daneben bietet sich ein fast surrealer Anblick: Wir blicken tief hinunter in den Vallone dei Mulini. In dieser feuchten, tiefen Schlucht stehen die Ruinen einer alten Mühle, ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert, die heute komplett von Farnen und Moosen überwuchert sind. Das Mikroklima in der Schlucht hat eine Vegetation erschaffen, die wie ein urzeitlicher Dschungel mitten in der Stadt wirkt.
Wir lassen uns weiter durch die schmalen Gassen treiben, in denen es meistens sehr touristisch hergeht. Am Franziskanerkloster ist der Zugang zum Kreuzgang aus dem 14. Jahrhundert leicht zu übersehen. Die Architektur ist eine Mischung aus spätgotischen Spitzbögen und orientalisch anmutenden Elementen auf dunklen Steinsäulen. Die Stille hier ist ein wunderbarer Kontrast zum Treiben in den Einkaufsstraßen.
Zum Ausklang des Nachmittags werden wir  nebenan auf der Aussichtsterrasse nochmals mit einem Bilderbuch Blick auf die Bucht belohnt.  Unter uns liegen die charakteristischen Strandbäder auf ihren hölzernen Stegen, geschmückt mit den typischen bunten Sonnenschirmchen, die wie Farbtupfer im Wasser wirken. Es ist das klassische Postkartenmotiv Italiens.
Um 16.00 Uhr treten wir die Rückfahrt an. Die Fahrt dauert dieses Mal aufgrund des Feierabendverkehrs etwas länger, etwa eine Stunde und fünfzehn Minuten, was uns aber Zeit gibt, die vielen Eindrücke des Tages Revue passieren zu lassen. Ein Tag, der die perfekte Mischung aus aristokratischer Geschichte und mediterraner Natur geboten hat.

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