Wir genießen ein letztes Mal das reichhaltige Frühstücksbuffet im Hotel Lucia, geben den Zimmerschlüssel ab und deponieren unsere Koffer sicher an der Rezeption. Für unseren finalen Tag in der Stadt steht ein Ausflug abseits der klassischen Touristenpfade an. Wir widmen uns voll und ganz der Wiener Moderne, dem Architekten Otto Wagner und dem fantastisch-realistischen Künstler Ernst Fuchs.
Mit der U-Bahn und dem Bus fahren wir hinaus in den 14. Wiener Gemeindebezirk Penzing. Genauer gesagt geht es in den Ortsteil Hütteldorf, wo sich die Stadt langsam in die bewaldeten Hänge des Wienerwalds auflöst. An der Haltestelle steigen wir aus und nehmen den etwa fünfzehnminütigen Aufstieg entlang der Hüttelbergstraße in Angriff. Der Weg führt stetig bergauf, vorbei an schattigen Bäumen und eleganten Villen, bis wir plötzlich vor einem Bauwerk stehen, das wie ein zauberhafter kleiner Palast aus einer anderen Welt wirkt.
Es ist die erste Otto Wagner Villa, von ihm selbst zwischen 1886 und 1888 als luxuriöser Sommersitz für seine Familie erbaut. Wagner entwarf das Gebäude im historistischen Stil mit mächtigen ionischen Säulen, einer symmetrischen Freitreppe und zarten blauen Verzierungen.
Später nutzte er es als Atelier, bevor der verfallene Komplex Ende der 1960er Jahre kurz vor dem Abriss stand. 1972 rettete der Maler Ernst Fuchs, ein Hauptvertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, das Anwesen vor dem Abbruch. Er restaurierte das Gebäude und wandelte es in sein persönliches Atelier sowie in ein Museum um, das seine eigene mythische Bildwelt mit dem Geist Wagners verbindet.
Später nutzte er es als Atelier, bevor der verfallene Komplex Ende der 1960er Jahre kurz vor dem Abriss stand. 1972 rettete der Maler Ernst Fuchs, ein Hauptvertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, das Anwesen vor dem Abbruch. Er restaurierte das Gebäude und wandelte es in sein persönliches Atelier sowie in ein Museum um, das seine eigene mythische Bildwelt mit dem Geist Wagners verbindet.
Schon im Außenbereich ziehen uns die kunstvollen Details in den Bann. Im üppig durchgrünten Garten entdecken wir vergoldete Bronzeskulpturen, fantasievolle Bronzefiguren und verschlungene Pfade. Ein absolutes Highlight im Park ist das eigens gestaltete Brunnenhaus, ein sprudelndes Gesamtkunstwerk aus bunten Mosaiksteinen, Glas und Bronze, das orientalische, byzantinische und Jugendstilelemente harmonisch vereint.
Im Inneren empfängt uns eine schwelgerische Mischung aus historischem Jugendstil und üppiger Fantastik. Im Großen Salon bewundern wir die prunkvolle Decke und die monumentalen Gemälde, während uns der berühmte Adolf-Böhm-Saal mit seinen großflächigen, leuchtenden Glasfenstern den Atem raubt. Böhm entwarf diese Fenster einst für Wagner, und das einfallende Licht lässt die Raumfarben magisch erstrahlen. Wir schlendern weiter in den Blauen Salon, der einst als Billardzimmer diente und heute von Ernst Fuchs’ imposantem Ölgemälde der Ankleidung der Esther dominiert wird, ergänzt durch ein extravagant gestaltetes grünes Bett. Sogar das Speisezimmer überrascht uns. Hier blieb von der ursprünglichen Bausubstanz wenig erhalten, weshalb Fuchs den kleinen Raum komplett neu gestaltete mit von ihm selbst handbemalten Tischen, Anrichten und Sesseln als Unikate sowie filigranen Zeichnungen an den Wänden.
Nach diesem berauschenden Ausflug in die Kunstwelt spazieren wir weiter hinauf zum nahegelegenen Otto Wagner Areal auf der Baumgartner Höhe.
Diese imposante Anlage wurde ab 1904 von Otto Wagner als Niederösterreichische Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke geplant. Es war seinerzeit eine der modernsten und größten psychiatrischen Heilanstalten Europas, aufgebaut als eigenständige Gartenstadt mit Pavillons im Pavillonstil, breiten Alleen und eigenem Wirtschaftshof.
Diese imposante Anlage wurde ab 1904 von Otto Wagner als Niederösterreichische Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke geplant. Es war seinerzeit eine der modernsten und größten psychiatrischen Heilanstalten Europas, aufgebaut als eigenständige Gartenstadt mit Pavillons im Pavillonstil, breiten Alleen und eigenem Wirtschaftshof.
Wir erkunden das weitläufige Gelände und stossen auf eine kleine, liebevoll improvisierte Ausstellung, die als Museum dient. Hier erfährt man eindringlich von der wechselvollen Geschichte des Areals, die leider auch dunkle Kapitel umfasst, wie die Verbrechen an Patienten während der NS-Zeit. Zudem erfahren wir viel über die heftigen Kontroversen der vergangenen Jahre. Der Erhalt des Ensembles war lange Zeit stark umstritten, als Pläne für massive Neubauten und kommerzielle Verwertungen für Proteste in der Wiener Bevölkerung und bei Denkmalschützern sorgten. Bürgerinitiativen erkämpften schließlich den Schutz der historischen Bausubstanz.
Ganz oben auf dem Hügel thront das unbestrittene architektonische Juwel der Anlage, die Kirche zum heiligen Leopold, besser bekannt als Kirche am Steinhof. Mit ihrer weithin leuchtenden, goldenen Kuppel aus Kupferblech schaut sie stolz über ganz Wien. Wagner gestaltete die Kirche von 1904 bis 1907 speziell für die Bedürfnisse von Psychiatriepatienten, mit leicht zu reinigenden Marmorflächen, abgerundeten Kanten, einem leicht abfallenden Boden für bessere Sicht und kurzen Notausgängen. Beim Anblick der vergoldeten Kuppel im Nachmittagslicht genießen wir den friedlichen Weitblick über die Dächer der Stadt und lassen diesen eindrucksvollen Abschluss unserer Reise entspannt auf uns wirken.
Danach fahren wir zurück zum Hotel, nehmen unser Gepäck in Empfang und fahren mit Ubahn und Zug ohne Probleme und Wartezeiten zum Flughafen. Der Flug startet pünktlich, wir machen an Bird ein Nickerchen und schon landen wir in verregneten Köln. Das ist einfach zu glatt gegangen denken wir noch am Gepäckband als wir uns nach den Verbindungen nach Merzenich erkundigen. Doch es fahren keine Bahnen, alles Schienenersatzverkehr mit Bussen, doppelt ao lange. Das passt irgendwie zu not so good old Germany. Die Pläne stimmen natürlich auch nicht mehr so ganz, aber wieder haben wir Glück und kommen ohne Wartezeit bis Köln Hauptbahnhof, Dort fährt uns der passende Bus sprichwörtlich vor der Nase weg. Wir müssen einen anderen nehmen, der direkt nach Düren fährt, nicht aber nach Merzenich. Wie wir das lösen müssen wir noch sehen.