Oktober 20, 2026
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Unser Flieger startet bereits um kurz nach sechs in Köln/Bonn, was für uns bedeutet, dass wir mitten in der Nacht um ein Uhr zu Hause losfahren. Zum Glück greift ein Rädchen ins andere. Alle Verbindungen klappen völlig reibungsfrei und ohne nennenswerte Verspätung. In Wien angekommen besorgen wir uns direkt die Vienna City Card, mit der wir uneingeschränkt die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen können und zudem Ermäßigungen bei zahlreichen Sehenswürdigkeiten erhalten. Mit der Bahn geht es zügig zum Wiener Hauptbahnhof, wo wir rasch unsere Koffer in einem Schließfach verstauen, um ohne Gepäck direkt in den Besichtigungstag zu starten.
Erste Station unserer Entdeckungstour ist das Barockschloss Belvedere. Wir schlendern durch die weitläufige, terrassierte Parkanlage, die im 18. Jahrhundert von dem französischen Gartenarchitekten Dominique Girard gestaltet wurde. Die barocke Gartenkunst mit ihren symmetrischen Achsen, Wasserspielen und Kaskadenbrunnen zieht uns sofort in ihren Bann. Vom Garten aus genießen wir den berühmten Canaletto-Blick. Dieser Panoramablick über das sanft abfallende Gelände in Richtung Altstadt verdankt seinen Namen dem venezianischen Vedutenmaler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, der die Kulisse des Oberen Belvederes im 18. Jahrhundert in einem meisterhaften Gemälde verewigte. Wir gehen das sanfte Gefälle hinab, lassen das obere Schloss hinter uns und betrachten auch das Untere Belvedere von außen, das einst als Wohnschloss des Prinzen Eugen von Savoyen diente.
Gleich nebenan statten wir dem Botanischen Garten der Universität Wien einen kurzen Besuch ab. Diese grüne Oase wurde bereits 1754 unter Kaiserin Maria Theresia als Medizinalpflanzengarten gegründet. Zwischen alten Bäumen und seltenen Pflanzen spürt man die jahrhundertealte Tradition dieser wissenschaftlichen Sammlung. Nach diesem ruhigen Durchatmen steigen wir in die Straßenbahn und lassen uns in die historische Altstadt bringen.
Bei einem kurzen Rundgang spazieren wir um die Wiener Staatsoper, die 1869 als einer der ersten Prachtbauten der neu angelegten Wiener Ringstraße im Stil der Neorenaissance eröffnet wurde. Mir ist sie ein Begriff, weil in meinem Elternhaus stets der Opernball mit Interesse verfolgt wurde. Direkt daneben steigen wir zur Bastei der Albertina hinauf. Die Albertina thront auf einem der letzten erhaltenen Abschnitte der alten Wiener Stadtmauer. Von der Terrasse aus bietet sich ein großartiger Blick auf die Rückseite der Oper und das geschäftige Treiben auf den Plätzen unter uns. Bei der weiteren Umkreisung der Oper treffen wir auch auf das berühmte Sacher Hotel.
Jetzt ist es höchste Zeit für eine Stärkung, und wir steuern das Café Vollpension an. Dieses Lokal ist ein ganz besonderes Generationencafé mit einem herzerwärmenden Konzept. Hier stehen ältere Menschen, vor allem Omas und Opas, hinter dem Backtresen und backen nach ihren eigenen, gut gehüteten Familienrezepten traditionelle Kuchen und Gebäck. Das Projekt wirkt der Altersarmut und der Einsamkeit im Alter entgegen und bringt Jung und Alt in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre zusammen. Wir sichern uns einen Platz und genießen wunderbare, warm servierte Buchteln – fluffige Hefeballen, reichlich umhüllt von cremiger Vanillesoße. Dazu trinken wir unsere allererste Wiener Melange der Reise, den klassischen Wiener Kaffee aus Espresso, heißer Milch und einer feinen Milchschaumhaube.
Frisch gestärkt schlendern wir im Anschluss über den weltberühmten Naschmarkt. Der Markt existiert in seinen Ursprüngen seit dem 18. Jahrhundert und ist mit seinen bunten Ständen für Lebensmittel, Gewürze und Spezialitäten aus aller Welt ein Fest für die Sinne. Von einer tollen neuen Aussichtsterrasse aus lassen wir den Blick schweifen und bewundern die prächtigen Fassaden der umliegenden Wohn- und Geschäftshäuser. Besonderes Augenmerk verdienen die berühmten Jugendstil-Villen an der Wienzeile, die von dem Architekten Otto Wagner um 1899 gestaltet wurden. Mit ihren farbenfrohen Majolika-Fliesen und goldenen Medaillons zeigen sie die kühne Eleganz der Wiener Moderne.
Unser Weg führt uns weiter zur Wiener Secession, einem ikonischen Bauwerk des Jugendstils. Das von Joseph Maria Olbrich 1898 errichtete Ausstellungsgebäude besticht durch seine schneeweiße Geometrie und die markante, vergoldete Kuppel aus Lorbeerblättern, die im Volksmund liebevoll Krauthappel genannt wird. Das Gebäude gilt als Symbol des Aufbruchs der damaligen Künstlergruppe um Gustav Klimt, die sich von der akademischen Kunsttradition abwandte.
Schließlich laufen wir weiter in Richtung Museumsquartier. Auf dem imposanten Maria-Theresien-Platz stehen sich zwei baugleiche, majestätische Paläste gegenüber: das Naturhistorische Museum und das Kunsthistorische Museum, beide entworfen von Gottfried Semper und Karl von Hasenauer. In der Mitte des Platzes thront das monumentale Denkmal der Kaiserin Maria Theresia. Die gewaltige Architektur der Kaiserforum-Planung hinterlässt einen schönen Eindruck bei uns.
Nach vielen Kilometern zu Fuß machen wir uns schließlich auf den Rückweg zum Hauptbahnhof, um unser Gepäck abzuholen. Mit den U-Bahnen fahren wir weiter in den Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus zu unserer Unterkunft, dem kleinen familiengeführten Hotel Lucia. Das Einchecken verläuft reibungslos und wir beziehen ein solides, sehr sauberes Zimmer im Obergeschoss. Nach der extrem kurzen Nacht und den vielen ersten Eindrücken ruhen wir uns nun ein wenig aus, bevor wir gleich entspannt zum Abendessen aufbrechen. Es gibt halbes Hähnchen und kleines Schnitzelchen. 

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