Oktober 22, 2026
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Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel geht es heute Morgen direkt mit der U-Bahn zum Maria-Theresien-Platz. Das Ziel des Tages: Das Kunsthistorische Museum (KHM) in Wien. Das imposante Doppelmuseum gegenüber der Naturhistorischen Sammlung zählt mit seiner prunkvollen Architektur und den kaiserlichen Sammlungen zu den bedeutendsten Museumsbauten Europas.
Unser absolutes Highlight des Tages ist der weltberühmte Bruegel-Saal. Das KHM beherbergt mit zwölf Werken die weltweit größte Sammlung von Gemälden Pieter Bruegels d. Ä. Die Meisterwerke meines zweitliebsten Malers aus nächster Nähe zu studieren, ist ein unvergleichliches Erlebnis.
Der Turmbau zu Babel (1563): Das Meisterwerk fasziniert durch die kühne Synthese aus monumentaler Architektur und feingliedrigem Bauhandwerk. Bruegel verarbeitete hier Eindrücke des antiken Kolosseums in Rom. Bei genauer Betrachtung offenbart sich die Statik des Turms als bauliches Desaster: Die unteren Etagen bröckeln bereits, während oben noch geschäftig gearbeitet wird – eine eindringliche Allegorie auf den menschlichen Größenwahn.
Die Kinderspiele (1560): Ein typisches, übervolles Wimmelbild und eine volkskundliche Enzyklopädie zugleich. Über 80 verschiedene Kinderspiele des 16. Jahrhunderts hat Bruegel hier auf einem einzigen Dorfplatz verewigt – vom Reifentreiben über das Stelzengehen bis hin zum Blinde-Kuh-Spiel.
Kampf zwischen Karneval und Fasten (1559): In dieser allegorischen Dorfstraße prallen zwei Weltanschauungen aufeinander: Der dicke Karneval auf einem Weinfass duelliert sich mit der ausgemergelten Fastenzeit auf ihrem Holzstuhl. Ein vielschichtiges Sittengemälde über menschliche Maße und Extreme. Allein zu diesem Werk haben wir schon verschiedene Dokus geschaut und im belgischen Freilichtmuseum Bokrijk eine interaktive Museumsrallye mitgemacht. 
Die Jäger im Schnee (1565) & Der düstere Tag: Aus seinem berühmten Monatszeiten-Zyklus. Besonders die Jäger bestechen durch ihre meisterhafte Tiefenwirkung und die melancholische Stimmung des kalten Arbeitstages. Detail des düsteren Tags.Der immerwährende Lauf im Jahreskreis schenkt damals wie heute Trost und Zuversicht. 
Bauernhochzeit & Bauerntanz: In diesen großformatigen Szenen dokumentiert Bruegel das flämische Volksleben des 16. Jahrhunderts mit treffsicherer Milieustudie, feiner Charakterzeichnung und unzähligen Details.
Die Kreuztragung Christi zeigt Bruegels Genie, weltbewegende religiöse Ereignisse in gewaltige,  Landschaften und dichte Menschenmengen seiner eigenen Epoche einzubetten. Hier ein Detailausschnitt.
Einen spannenden Sonderstatus im KHM nimmt der Bethlehemitische Kindermord ein. Das Original von Pieter Bruegel d. Ä. (um 1565) befindet sich heute in der Royal Collection in Windsor Castle – allerdings mit einem historischen Makel: Kaiser Rudolf II. ließ die drastischen Szenen getöteter Kinder im Laufe des 17. Jahrhunderts schlicht übermalen, sodass aus den grausamen Soldatenopfern damals kurzerhand Gänse, Hunde und Bündel wurden. Das Wiener Exemplar im KHM hingegen ist eine atemberaubende, zeitgenössische Kopie aus der Werkstatt seines Sohnes Pieter Brueghel d. J., die uns den unzensierten Originalzustand zeigt. So blickt man hier auf die unbarmherzige Härte, mit der Bruegel den biblischen Stoff in die verschneite, brutale Realität des von den Spaniern besetzten flämischen Alltags übertrug.
Nach dem intensiven Bruegel-Erlebnis wandeln wir weiter durch die Hallen der Gemäldegalerie, wo sich ein Meisterwerk an das nächste reiht. Neben Johannes Vermeers weltberühmter „Malkunst“ (um 1666/1668) begegnen uns die großen Namen der europäischen Kunstgeschichte auf Schritt und Tritt: Präzise Porträts von Albrecht Dürer, Cranach und Hans Holbein d. J., die üppige Barockdynamik von Peter Paul Rubens, die psychologische Lichtführung von Caravaggio und Rembrandt sowie Meisterwerke der italienischen und spanischen Renaissance und des Barock von Canaletto, Raffael, Tizian und Diego Velázquez.
Tizian
Rembrandt
Rubens
Caravaggio
Canaletto
Dürer
Holbein 
Cranach
Velasquez 
Tizian
Besonders erwähnen möchte ich noch die verrückten Collagen-Gesichter Arcimboldos, die jeweils Monate oder Jahreszeiten darstellen und die wir unglaublich kreativ finden. Alles in allem, ein eindrucksvoller Querschnitt durch die kaiserliche Sammelleidenschaft der Habsburger.
Ein Etagenwechsel führt uns hinab in die Kunstkammer Wien zur berühmten Saliera von Benvenuto Cellini (1543). Das prunkvolle Tischgefäß aus massivem Gold, Emaille und Ebenholz stellt allegorisch die Verbindung von Erde (Ceres, Pfeffer) und Meer (Neptun, Salz) dar. Neben der filigranen Goldschmiedekunst der Renaissance beeindruckt auch die bewegte Geschichte der Skulptur, die nach ihrem spektakulären Diebstahl 2003 erst 2006 wiederaufgefunden werden konnte.
Den Abschluss unseres Rundgangs bildet die Ägyptisch-Orientalische Sammlung im Hochparterre. Neben den imposanten Sarkophagen, den aufwendig gestalteten Mumien, einer Krokodilmumie und den alten Reliefs stoßen wir in Saal V auf das berühmte, türkisblau glasierte Nilpferd aus Fayence (Mittleres Reich, um 2000 v. Chr.). Die filigran aufgemalten Lotosblüten auf dem Körper des kleinen Kraftpakets symbolisieren Elemente der ägyptischen Schöpfungsmythologie.
Nach intensiven Stunden voller Kunst- und Kulturgeschichte treten wir nun kurz vor 19 Uhr die Rückfahrt an, um den Tag bei einem wohlverdienten, gemütlichen Abendessen ausklingen zu lassen.