Oktober 21, 2026
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Heute schlemmen wir zum ersten Mal morgens am reichhaltigen Frühstücksbuffet unseres Hotels und starten mit bester Verpflegung in den Tag. Anschließend steigen wir in die U-Bahn und spazieren das letzte Stück zu Fuß in Richtung Hundertwasserhaus. Auf dem Weg dorthin passieren wir zufällig das gewaltige Palais Rasumovsky. Dieser Klassizismusbau fasziniert auf den ersten Blick durch seine immense Ausdehnung. Errichtet wurde der Palast für den russischen Diplomaten Fürst Andrej Kirillowitsch Rasumowsky, der in Wien als einflussreicher Kunstmäzen wirkte. Rasumowsky war eng mit Ludwig van Beethoven befreundet, förderte ihn finanziell und unterhielt ein legendäres Streichquartett, für das Beethoven Stücke schrieb. Als Zeichen des Dankes widmete der Komponist seinem Gönner die berühmten drei Rasumowsky-Quartette Opus 59.
In diese meisterhaften Streichquartette flocht Beethoven sogar traditionelle russische Volksmelodien ein, um dem Diplomaten seine Referenz zu erweisen.
Nur ein paar Schritte weiter treffen wir auf eine völlig andere Welt. Das Hundertwasserhaus steht vor uns, farbenfroh, organisch und beeindruckend verschachtelt. Der Künstler Friedensreich Hundertwasser gestaltete die Wohnanlage Anfang der 1980er Jahre zusammen mit dem Architekten Joseph Krawina. Hundertwasser lehnte das Diktat der geraden Linie und die funktionale Sterilität der modernen Architektur konsequent ab. Stattdessen forderte er ein bauliches Miteinander von Mensch und Natur, was sich in bewachsenen Dachflächen, unebenen Böden und Bäumen zeigt, die wie eigene Mieter aus den Fensteröffnungen wachsen. Wir beobachten das rege Treiben vor dem Haus, erkunden die gegenüberliegende Einkaufspassage mit ihren geschwungenen Wegen und werfen auch einen Blick auf das Kunst Haus Wien ganz in der Nähe, das Hundertwassers Werk und wechselnde Ausstellungen beherbergt.
Vom Radetzkyplatz aus steigen wir in die Straßenbahn und fahren entspannt ins historische Zentrum zum Schwedenplatz. Ein kurzer Spaziergang führt uns direkt zur Ankeruhr auf dem Hoher Markt. Diese kunstvolle Jugendstil-Spieluhr überspannt als Brücke zwei Gebäudeteile der Anker-Versicherung und stammt aus der Feder des Malers Franz Matsch. Sie erfüllt nicht nur die Funktion einer Zeitanzeige, sondern ist auch ein bewegliches Kunstwerk. Im Laufe von zwölf Stunden ziehen zwölf lebensgroße Figuren aus der Wiener Stadtgeschichte über das Zifferblatt, musikalisch begleitet von Musikstücken der jeweiligen Zeitepoche.
Weiter des Weges legen wir einen kurzen Fotostopp am Regensburger Hof ein. Das prächtige Bauwerk blickt auf eine lange Tradition zurück, denn an diesem Ort trafen bereits im Mittelalter die Fernkaufleute aus Regensburg ein, um ihre Waren zu stapeln und Geschäfte abzuwickeln.
Wenig später stehen wir vor dem mächtigen Wahrzeichen der Stadt. Wir umrunden den Gotikbau des Stephansdoms ausgiebig, bestaunen das Buntmuster des Dachs und treten durch das Portal ins kühle Innere. Die riesigen Pfeiler, das filigrane Steinmetzwerk der Kanzel und das gedämpfte Licht erzeugen eine erhabene Atmosphäre.
Vom Domplatz aus schlendern wir weiter über die imposante Einkaufsmeile Graben. In der Mitte des Boulevards ragt die prunkvolle barocke Pestsäule empor, die Kaiser Leopold I. nach dem Abklingen der verheerenden Pestepidemie Ende des 17. Jahrhunderts stiftete. Über den Kohlmarkt geht es weiter, auch wenn dieser zurzeit leider eine komplette Baustelle ist. Trotz der Bauzäune erreichen wir schließlich den Michaelerplatz, spazieren vorbei an den Toren der Spanischen Hofreitschule und treten auf den weitläufigen Heldenplatz vor den Trakten der Hofburg. Hier erwartet uns eine ganz besondere Kulisse. Für die Feierlichkeiten zum bevorstehenden Nationalfeiertag baut das Bundesheer eine riesige Leistungsschau auf. Direkt neben den kaiserlichen Fassaden stehen bereits Panzer, ein Eurofighter und Hubschrauber für die Vorführungen bereit, was für einen spektakulären Zeitchronik-Kontrast sorgt.
Anschließend spazieren wir zur Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste, wo das absolute Highlight unserer gesamten Reise auf mich wartet. Das Weltgerichtstriptychon von Hieronymus Bosch. Zu unserem großen Glück haben wir die Räume fast für uns alleine und können ungestört in die Details eintauchen. Fast zwei Stunden lang stehe ich vor dem Werk, lese alle Aufsteller und analysiere jede Bildzone genau. Hier alles über das Bild
Bosch schuf mit diesem Werk aus dem frühen 16. Jahrhundert eine tiefgründige Warnung vor der menschlichen Fehlbarkeit. Auf der Außenseite der zugeklappten Flügel empfängt uns eine reduzierte Graumalerei, eine sogenannte Grisaille, die die Heiligen Jakobus den Älteren und Bavo als Pilger und Wohltäter zeigt.
Öffnet man das Triptychon, zeigt der linke Flügel das Paradies. Hier ist die Schöpfung Evas, der Sündenfall am Baum der Erkenntnis und der Sturz der abtrünnigen Engel in Form von Insektenwesen dargestellt.
Der riesige Mittelteil widmet sich dem eigentlichen Weltgericht. Während Christus oben im Himmelreich auf dem Regenbogen thront, entfaltet sich darunter auf Erden eine albtraumhafte Landschaft, in der die sieben Todsünden aufs Grausamste bestraft werden.
Wir entdecken Darstellungen der Wollust in einer grotesken Liebesszene, der Völlerei an überquellenden Mündern, des Geizes durch Menschen in Töpfen voll schmelzenden Goldes und des Zorns in kriegerischen Entleibungen. Auch der Neid, die Trägheit und der Hochmut werden durch fantastische Mischwesen und Quälereien verbildlicht.
Der rechte Flügel führt die Vision fort und zeigt die ewige Hölle. In einer finsteren, von Bränden erleuchteten Nachtlandschaft regiert das Böse, und die Verdammten werden in architektonischen Foltermaschinen gequält. Die überwältigende Symbolik und die handwerkliche Präzision dieses Meisterwerks hinterlassen bei mir einen tiefen Eindruck.
Nach dieser intensiven Kunstbetrachtung werfen wir im Vorbeigehen noch einen schnellen Blick auf die hochkarätigen Werke von Tizian, Rubens und Lucas Cranach dem Älteren. Danach machen wir uns auf den Weg zur U-Bahn und fahren zurück zum Hotel. Den Tag lassen wir beim Abendessen in einem asiatischen Restaurant entspannt ausklingen und sprechen beim Essen noch lange über die vielen Eindrücke dieses Tages.

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