April 23, 2025
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Hier ist der versprochene Nachtrag von gestern. Wir haben nach Aspendos auch gleich noch einen Stopp in Sillyon eingelegt. Die Fotos auf Google Maps zusammen mit den Infos in meinem Archäologiebuch hatten mich überzeugt, dass die Ausgrabungen einen Besuch wert sind. Und zurecht, an der nur 30 km von Antalya gelegenen Antikenstadt am Tafelberg wird aktuell aktiv ausgraben. Als wir gegen etwa 17.00 Uhr in dem kleinen Weiler unterhalb eintreffen und dan Wagen irgendwo im Dorf abstellen, denn einen Parkplatz gibt es noch nicht, macht das Ausgrabungsteam gerade Feierabend.

Die Geschichte von Sillyon beginnt der Überlieferung nach unmittelbar nach dem Trojanischen Krieg im 12. Jahrhundert v. Chr., als griechische Siedler unter Führung der Seher Mopsos und Kalchas die Stadt gründeten. Die ältesten archäologischen Spuren deuten auf eine frühe Besiedlung hin, doch erstmals wird Sillyon im 5. Jahrhundert v. Chr. als Mitglied des Attisch-Delischen Seebunds in athenischen Tributlisten erwähnt. Im 4. Jahrhundert v. Chr. beschreibt der Geograph Pseudo-Skylax die Stadt, und 333 v. Chr. scheiterte Alexander der Große an der Eroberung der Festung, deren steile Hänge und starke Besatzung ihn zum Abbruch der Belagerung zwangen. In der hellenistischen Zeit, besonders ab dem 3. Jahrhundert v. Chr., entwickelte sich Sillyon zu einer autonomen, reichen Stadt, die eigene Münzen prägte und weitreichende Handelsbeziehungen unterhielt. Während der römischen Kaiserzeit (1.–3. Jahrhundert n. Chr.) erlebte Sillyon eine Blütephase: Der Ausbau öffentlicher Gebäude, großzügig unterstützt von wohlhabenden Bürgern wie Menodora, prägte das Stadtbild. Unter byzantinischer Herrschaft ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. wurde Sillyon zum Bischofssitz und gewann als befestigter Verwaltungssitz strategische Bedeutung. Nach der Eroberung durch die Seldschuken im Jahr 1207 blieb die Stadt noch bis ins 14. Jahrhundert bewohnt, bevor sie endgültig verlassen wurde. Immer wieder kam es zu Erdrutschen, zuletzt 1969, bei dem das Odeon und das Bühnenhaus des Theaters abstürzten.

Unser Rundgang beginnt am Stadion, das im 2. Jahrhundert v. Chr. angelegt wurde und noch gut erkennbare Sitzreihen aufweist. Direkt daneben erhebt sich das Stadttor aus hellenistischer Zeit, flankiert von mächtigen Türmen, die im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. errichtet wurden und die westliche, weniger steile Flanke der Stadt schützten. Die Bäder stammen aus der römischen Kaiserzeit (1.–3. Jahrhundert n. Chr.) und in der Nähe an der Straße werden auch ein kleines Nymphäum und Ladenzeilen vermutet. 

Die Nekropole mit ihren in den Fels gehauenen Gräbern reicht bis in die hellenistische und römische Zeit zurück und dokumentiert die soziale Hierarchie der Stadtgesellschaft. Der hellenistische Turm, vermutlich im 3. Jahrhundert v. Chr. errichtet, diente als Wachturm und Kontrollpunkt für die Zugänge zur Oberstadt.

Wir steigen weiter auf der von Mauern und Turmresten gesäumten Rampe aus hellenistischer Zeit zur Akropolis hinauf. Ab einer kleinen Moschee aus der osmanischen Epoche, wird das Gelände zusends überwucherter und schwerer zugänglich. Bis hier sind die Teams, die im tieferen Bereich jüngst ordentlich Gebüsch und Vergetation entfernt haben noch nicht gewesen. Hier oben finden sich byzantinische Gebäude, darunter eine Kirche und Zisternen aus dem 5. bis 7. Jahrhundert n. Chr., sowie das Castrum, das in der byzantinischen Epoche als Verwaltungssitz diente. Moni dreht hier um, sie ist aus Entdeckerfreude schon an ihre Grenzen gelangt. Ich gehe noch ein kleines Stück weiter und beende meinen Rundgang am abgestürzten Theater, das im 2. Jahrhundert v. Chr. erbaut und in der römischen Zeit erweitert wurde. Das Theater wurde mehrfach durch Erdbeben beschädigt und zuletzt 1969 teilweise zerstört. Beim Abstieg treffen wir uns wieder und lassen uns ganz langsam im Abendlicht, begleitet von einer Ziegenherde zurück ins Dorf fallen.

Sillyon ist ein einzigartiges Zeugnis der Siedlungsgeschichte Pamphyliens: Von der legendären Gründung im 12. Jahrhundert v. Chr. über die Blüte als hellenistische und römische Metropole bis zur Funktion als byzantinischer Bischofssitz und seldschukischer Verwaltungspunkt spiegelt die Stadt fast drei Jahrtausende Geschichte wider. Einer der ungeschliffenen Edelsteine unter den Antiken Ausgrabungen, die zur Zeit "poliert" werden.

Am Mittwoch haben wir nicht mehr viel gemacht. Einen Wasserfall ins Meer angesehn, den Mietwagen abgegeben und uns dann mit dem Bus in der Stadt bewegt und in einer Einkaufsmeile gegessen und Kaffee getrunken. Kommende Nacht werden wir um 4.45 Uhr am Hotel geholt und zum Flughafen gebracht.