Wir beginnen unseren Rundgang am monumentalen 52 m breiten Nymphaeum aus dem 2. Jhd. n. Chr., dessen dreigeschossige Fassade mit korinthischen Halbsäulen und Reliefplatten die römische Wasserarchitektur und Repräsentationskultur illustriert. Die jüngsten Restaurierungen machen die ursprüngliche Funktion als Schaubrunnen und Endpunkt der Wasserleitung wieder deutlich.
Gleich dahinter erheben sich Reste des Vespasian Tors, flankiert von mächtigen Mauern, die in mehreren Bauphasen errichtet wurden.
Wir wollen zunächst den Bereich mit Eintritt anschauen, daher kaufen wir an der Prachtstraße Tickets.Die breite Säulenstraße, die sich vor uns ausbreitet, vermittelt mit ihren Basaltplatten, den Resten von Portiken und den Fundamenten von Läden ein lebendiges Bild städtischer Infrastruktur. Die Spuren von Wagenrillen und Abwasserkanälen belegen die intensive Nutzung und die Infrastruktur des öffentlichen Raums bei den Römern.Über eine kleinere gepflasterte Gasse, vorbei am byzantinischen Bischofskomplex und einem als Hospital zugeschriebenen massiven Bau, erreichen wir die Staatsagora, das wirtschaftliche und soziale Zentrum der Stadt. Die doppelte Kolonnade, die Fundamente von Ladenzeilen und Verwaltungsgebäuden sowie die große öffentliche Latrine an der Südseite sind erhalten.Östlich schließt sich ein Komplex mit Sebasteion (Kaiserkultgebäude) und Bibliothek an.
Nördlich davon kann man die Überreste des Gymnasiums und des Odeions finden.
Das große römische Theater bleibt leider wegen Einsturzgefahr verschlossen, wie auch schon in Perge kommt niemand hinein. Auch die vorgelagerte Handelsagora ist abgesperrt. Den kleinen Tyche-Tempel mit seinen Resten von Säulen und Altären, kann ich nur von weitem fotografieren.Hier in der Altstadt findet man sehr oft Glasböden, die uns unbedeutendere Funde einfach unter der Erde betrachten lassen. Teilweise werden hier sogar noch neue Häuser auf Metallpfeilern gebaut, damit darunter alte Fundamente unbeschädigt bleiben. Zum Einen ist das gut, aber andererseits sollte hier meiner Meinung nach gar nichts mehr neu gebaut werden dürfen.Weiter führt uns der Weg durch die sogar schon zu dieser Jahreszeit leicht überlaufene Altstadt voller Händler und Restaurantwerber zum Apollon und Athena-Tempel am Kap. Die erhaltenen Säulen und das Podium machen die Dimensionen des ionischen Tempels sichtbar. Die Lage direkt am Meer und die Ausrichtung zum Sonnenuntergang unterstreichen die kultische und symbolische Bedeutung des Heiligtums für Seeleute und Händler.
Auf dem Rückweg passieren wir die Ruinen der spätantiken großen Thermen und schauen sie uns von außen an. Den Abschluss bildet der Besuch im Archäologischen Museum, das im ehemaligen römischen Bad untergebracht ist. Die Sammlung umfasst Skulpturen, Friese, Inschriften, Sarkopharge, Münzen und Alltagsgegenstände aus allen Epochen der Stadtgeschichte. Die Präsentation der Funde aus Heiligtümern, Wohnhäusern, Gräbern und dem öffentlichen Raum erlaubt es, die Entwicklung Sides von der griechischen Gründung über die Blüte in römischer Zeit bis zur spätantiken Transformation nachzuvollziehen. Auch zwei Spieltische sind wieder mit von der Partie.Ich persönlich bin froh Side wieder zu verlassen. Es ist sehenswert, aber mir einfach schon jetzt zu voll und das geschlossene Theater bei vollen Eintrittspreis ist ebenfalls unschön.
Das nächste Ziel Lyrbe erreichen wir nach ca 20 km Fahrt über immer kleiner werdende Straßen durch immer einsamere Gegenden.
Abseits der touristischen Ströme von Side entfaltet Lyrbe, eingebettet in dichte Pinienwälder am Fuß des Taurusgebirges, eine außergewöhnliche archäologische Atmosphäre. Die Ruinen liegen auf einem strategisch gewählten Plateau, das im Westen steil abfällt und so natürlichen Schutz bot – im Süden ergänzt durch eine bis zu neun Meter hohe Stadtmauer.Im Zentrum erhebt sich die Agora, die als eine der besterhaltenen Marktplätze Pamphyliens gilt. Ihr westlicher Abschluss ruht auf massiven Tonnengewölben, die als Magazine dienten – ein typisches Merkmal römischer Ingenieurskunst der Kaiserzeit. Die Fassaden der angrenzenden, zweigeschossigen Ladengebäude sind in einer Erhaltung zu sehen, wie sie sonst nur aus Herculaneum oder Pompeji bekannt ist. Im Süden schließt sich ein kleines Odeion an, das auf die kulturelle Bedeutung der Stadt verweist.
Nördlich der Agora befindet sich ein kleiner Podiumstempel mit erhaltenem viersäuligen Pronaos, westlich davon die Reste großflächiger Thermen.
Im Nordflügel der Agora lag vermutlich die Bibliothek, belegt durch das berühmte „Mosaik der sieben Weisen“, das Porträts antiker Denker wie Anaxagoras, Pythagoras und Thukydides zeigt. Dieses Mosaik, ein Meisterwerk hellenistischer Mosaikkunst, werden wir uns im Museum von Antalya ansehen. Weitere bedeutende Funde, darunter ein Orpheus-Mosaik und eine Bronzestatue des Apollon, stammen ebenfalls aus Lyrbe und sind in den Museen von Antalya und Side ausgestellt.Die Siedlungsgeschichte reicht mindestens bis ins 4. Jh. v. Chr. zurück. Neuere Funde, darunter Inschriften in der Sprache von Side, legen nahe, dass die Bewohner von Lyrbe und Side eng verbunden waren.
Neuere Forschungsergebnisse und Untersuchungen der Ruinen haben klar herausgestellt, dass Lyrbe nicht Seleukeia ist. Es hat also nichts mit dem Seleukidenreich (nach dem Tod Alexanders des Großen) zu tun, wie früher fälschlicherweise angenommen.
An der Agora haben wir eine Begegnung mit einem hungrigen Fuchs, der aber nicht zu zutraulich ist (Tollwut). Er frisst unsere hingeworfen Plätzchen genüsslich.Gegen 17.30 Uhr fahren wir wieder die 85 km zurück nach Antalya, wo wir bei Eintritt der Dunkelheit eintreffen.