April 17, 2025
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Nach einer erholsamen Nacht starten wir nach dem Frühstück mit dem Auto in Richtung Phaselis. Heute soll es nur 23 Grad werden und die Ausgrabungen liegen teilweise im schattigen Pinienwald, was meinem Sonnenbrand zugute kommt. Zunächst müssen wir uns wieder durch den chaotischen Verkehr Antalyas zwängen. Fast alle fahren rücksichtslos und asozial. Höhepunkt ist ein Motorradtourenfahrer mit einer dicken BMW mit Koffern und Sozius, der sich an der Ampel an allen vorbei in die erste Reihe drängelt und dann umkippt. Super! Nach und nach wird es auf der Küstenstraße entspannter und nach etwa 50 km erreichen wir Phaselis. Man entrichtet an einer Schranke Eintritt und fährt dann noch kilometerweit bis zu einem Parkplatz. 

Phaselis ist strategisch günstig auf einer kleinen Halbinsel gelegen, wurde von griechischen Kolonisten (traditionell aus Rhodos im 7. Jh. v. Chr.) gegründet und gelangte unter römischer Herrschaft zu bedeutender Blüte. 

Ausgangspunkt unserer Erkundung ist das Aquädukt, ein eindrucksvolles Zeugnis römischer Ingenieurskunst aus der Kaiserzeit. Seine Bogenkonstruktionen, die einst Frischwasser aus dem Hinterland herantrugen, versorgten die essentiellen Bedürfnisse der Stadt – allen voran die Thermenanlagen, aber auch öffentliche Brunnen und private Haushalte. Dem gedachten Wasserverlauf ins Zentrum folgend, erreichen wir die Hauptstraße. Diese breite, mit Kalksteinplatten gepflasterte Achse war das Rückgrat der Stadt und verband den Südhafen mit dem administrativen und kommerziellen Kern. Reste von flankierenden Kolonnaden (Stoen), unter denen sich einst Geschäfte (tabernae) befanden, sowie gut erkennbare Drainagesysteme zeugen von durchdachter römischer Stadtplanung. 

Die Hauptstraße mündet in den Bereich der Agora, dem zentralen Platz des öffentlichen Lebens. Hier fanden Handel, politische Versammlungen und soziale Interaktion statt. Die räumliche Nähe zu den angrenzenden Römischen Bädern (Thermen) unterstreicht deren Funktion als wichtiger sozialer Treffpunkt, der weit über die reine Hygiene hinausging. Die typische Raumabfolge – Frigidarium (Kaltbad), Tepidarium (Laubad), Caldarium (Heißbad) und auch die Hypokaustenheizung – ist in den Grundmauern noch nachvollziehbar. 

Leicht erhöht, an den Hang der kleinen Akropolis geschmiegt, liegt das gut erhaltene Theater. Seine Bauform entspricht dem griechisch-römischen Typus. Die halbkreisförmigen Sitzreihen (Cavea), die Orchestra und die Fundamente des Bühnengebäudes (Skene) sind deutlich auszumachen. Wir machen hier eine kleine Pause und genießen von den oberen Rängen einen beeindruckenden Panoramablick über die Stadt und das Massiv des Olympos.

Ein Highlight an dieser Straße sind die Reste des Hadrianstors, ein ehemals einbogiger Ehrenbogen, errichtet 129 n. Chr. anlässlich des Kaiserbesuchs. Es markierte nicht nur einen repräsentativen Zugang, sondern demonstrierte auch die Bedeutung innerhalb des Imperium Romanum.

Phaselis verdankte seine Existenz und seinen Wohlstand maßgeblich seinen drei natürlichen Häfen. Der Südhafen, der größte, diente dem Handel und war durch die Hauptstraße erschlossen. Der vermutlich als Kriegshafen genutzte Mittelhafen und der kleinere Nordhafen komplettierten die maritime Infrastruktur. Entlang der Uferlinien sind noch heute Reste von Kaimauern und Molen zu erkennen. Nach der Erkundung dieser Zeugen antiken Seehandels bietet der Strand am ehemaligen Südhafen eine willkommene Gelegenheit, die Füße im Mittelmeer zu kühlen. Bei mitgebrachten Sesamringen und Börekröllchen, die wir uns auf einer Bank essen, lassen wir die Eindrücke wirken. 

In unserem Archäologiebuch von 1979 lesen wir noch einmal tiefere Details nach und machen uns anschließend auf den Rückweg nach Antalya. Auch hier bedarf es wieder 100% voller Aufmerksamkeit und stoischer Ruhe, um rüpelhafte, links und rechts überholende hupende Auto und Rollerfahrer auszublenden. Gegen 17.00 Uhr sind wir wieder am Hotel.