April 22, 2025
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Heute nach dem Frühstück wollen wir die etwa 55km entfernten Antiken von Aspendos besichtigen. Also geht es wieder über die D400 nach Osten. Es herrscht viel Verkehr, daher treffen wir erst gegen Mittag dort ein. Wir laden uns einen Audioführer zahlen die 15€ Eintritt und suchen uns ein ruhiges Plätzchen im perfekt erhaltenen Theater. Etwas Geschichte gefällig? Die Gründung von Aspendos in Pamphylien vermutet man kurz nach dem Ende der trojanischen Kriege. Aspendos war ein Seehafen, denn der in der Nähe fließenden Fluß Eurymedon war zu damaliger Zeit noch schiffbar. Pferde, Wein, Öl, Salz und Getreide gehörten zu den Handelsgütern der Stadt und verhalfen ihr rasch zu Wohlstand. Insbesonders die Pferdezucht von Aspendos genoß einen sehr guten Ruf.

Schon im 5. Jh. v. Chr. begann man in Aspendos mit Prägung eigener Münzen und neben Sillyon, Perge und Side gehörte Aspendos zu den wichtigsten Städten des alten Pamphylien. Ein Ereignis in der Geschichte Aspendos' war die Konfrontation mit Alexander dem Großen im Jahr 333 v. Chr. Nach der Einnahme von Perge näherte sich Alexanders Heer Aspendos. Zunächst erklärten sich die Aspendier zur Unterwerfung bereit unter der Bedingung, keine makedonische Garnison aufnehmen zu müssen und stattdessen Tribut zu zahlen. Als sie jedoch ihren Verpflichtungen nicht nachkamen und sich auf die Akropolis zurückzogen, leitete Alexander eine Belagerung ein. Die Belagerung endete mit einer Einigung, bei der Aspendos den doppelten Tribut entrichten und zusätzlich Pferde liefern musste, was die Stadt effektiv unter makedonische Kontrolle brachte.

Unsere Erkundung beginnt am Theater, das als eines der besterhaltenen römischen Theater weltweit gilt. Erbaut wurde dieses monumentale Bauwerk im 2. Jahrhundert n. Chr., vermutlich in der antoninischen Periode unter Kaiser Marcus Aurelius (Regierungszeit 161-180 n. Chr.), als Stiftung zweier wohlhabender Brüder, Crispinus Arruntianus und Curtius Crispinus. Der Name des Architekten, Zenon, Sohn des Theodoros aus Aspendos, ist überliefert. Der Zuschauerraum, der sich an den natürlichen Hang schmiegt, gliedert sich in zwei Ränge mit insgesamt 49 Sitzreihen und bot Platz für schätzungsweise 12.000 bis 15.000 Besucher. Die dreigeschossige Bühnenfassade, ist nahezu vollständig erhalten und beeindruckt durch ihre reiche architektonische Dekoration mit Nischen, Säulen und Friesen, sowie außergewöhnliche Akustik. Die bemerkenswert gute Erhaltung des Theaters ist auf seine weitere Nutzung in nachrömischer Zeit zurückzuführen. Insbesondere während der seldschukischen und osmanischen Periode wurde das Theater nicht als Steinbruch missbraucht, sondern funktionell adaptiert, möglicherweise als Karawanserei oder sogar als Palastresidenz, was strukturelle Reparaturen und Erhaltung begünstigte und es vor dem Schicksal vieler anderer antiker Theater bewahrte.

Weiter führt uns der Weg zu den nur noch in ihren Grundstrukturen erhaltenen Resten des Stadions, das sich nordöstlich des Theaters am Fuße des Akropolis-Hügels befindet. Die langgestreckte Form und Länge von etwa 250 m ist typisch für römische Stadien.

Anschließend steigen wir zum höher gelegenen Plateau empor, dem ältesten Siedlungskern der Stadt. Wir treffen auf die Fundamente eines Tempels, dessen exakte Datierung und Weihung noch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen sind. 

Von einer Ecke des Plateaus bietet sich ein Blick auf das Aquädukt, ein herausragendes Beispiel römischer Ingenieurskunst. Dieses komplexe System, das die Stadt mit Frischwasser versorgte, ist kein Aquädukt im klassischen Sinn. Hier wurde die Ebene nicht überspannt sondern das erhaltene Syphonsystem ermöglichte es, Täler zu überwinden, indem Wasser unter Druck durch Leitungen geführt wurde, ein Beweis für das fortschrittliche technische Wissen der Römer. Die Hauptbauphase wird in das 2. oder frühe 3. Jahrhundert n. Chr. datiert.

In der Mitte des Plateaus erreichen wir die Agora, den zentralen Platz des antiken Aspendos, der als wirtschaftliches, soziales und administratives Herzstück der Stadt diente. Das rechteckige Areal war von verschiedenen öffentlichen Gebäuden gesäumt. Wir erkennen noch hoch aufragende Mauern von doppelstöckigen Läden, die sich entlang der Agora reihten. Angrenzend sind die Strukturen einer 6m breiten Stoa erahnbar, einer überdachten Säulenhalle, die Schutz bot und als Ort für Handel und öffentliche Versammlungen diente.

In unmittelbarer Nähe der Agora befindet sich eine 15m mehrstöckig aufragende Fasdade des Nymphäums, eines repräsentativen Brunnenhauses, das einst aufwendig dekoriert war und die zentrale Wasserentnahmestelle der Agora darstellte. Direkt daneben liegen die hoch aufragenden Mauern der römischen Basilika, eines großen rechteckigen Gebäudes, das für Gerichtsverfahren, Handelsgeschäfte und andere öffentliche Funktionen genutzt wurde.

Unser Rundgang führt uns weiter zum Odeon, einem kleineren, überdachten Theaterbau, der vermutlich für Darbietungen oder als Versammlungsort des Stadtrats diente. 

Besonders spannend ist für uns der Einblick in die aktuellen Ausgrabungen. Wir beobachten die sorgfältige Arbeit der Archäologenteams, die systematisch Areale freilegen. Auffällig ist ein frisch freigelegter Straßenzug, der von der unbefestigten Siedlung in der Ebene den Hang hinauf zur Agora führt. Das antike Pflaster ist stellenweise sichtbar, und entlang der Straße erkennen wir einen Kanal und die Fundamente von Gebäuden, die einst diese  Verbindungsachse säumten. 
Wir verlassen Aspendos nach etwas mehr als 4 Stunden und fahren wieder in Richtung Antalya. Der Verkehr ist immer noch dicht, vielleicht auf Grund des morgigen nationalen Feiertags. Wir sehen uns noch etwas an, doch davon berichte ich dann ausnahmsweise morgen als Nachtrag.