Nach einer kurzen Nacht und einem leckeren Frühstück mit Oliven und Paprika fahren wir in Richtung des etwa 20 km entfernten Perge. Unterwegs decken wir uns noch mit Wasser und Proviant ein. Kurz vor Mittag treffen wir an der Ausgrabungsstätte ein.
Die Gründung von Perge geht auf die Zeiten kurz nach den trojanischen Kriegen zurück. Auch hier wurden als Gründer die legendären trojanischen Seher Kalchas und Mopsos in Anspruch genommen, die nach dem verlorenen Trojanischen Krieg eine Völkerwanderung aus dem trojanischen Raum hier nach Pamphylien an der Südküste geleitet haben sollen.
Perge gehörte neben
Aspendos,
Sillyon und
Side zu den wichtigsten Städten des alten Pamphyliens. In der Zeit der Feldzüge von Alexander dem Großen wird Perge erstmals direkt in der Geschichtsschreibung erwähnt. Die vorher persische Stadt unterwarf sich freiwillig dem Makedonenkönig und entging somit einer Belagerung oder Zerstörung.
Seine außergewöhnlich gut erhaltene, mit Wehrtürmen verstärkte Stadtmauer erhielt Perge im Seleukiden-Reich. Auch im neuen Testament findet Perge Erwähnung, da Paulus von Zypern kommend seine Missionsreise von hier aus nach Konya fortsetzte. Ab dem 7. Jh. n. Chr. litt Perge, wie viele Städte im Süden und Westen der Türkei unter den Überfällen von Piraten und die Bevölkerung wanderte in das benachbarte Antalya ab, welches besser geschützt war. Zur Seldschuckenzeit war Perge verlassen.
Der Besuch von Perge gestaltet sich in drei Stationen. Erstens das Theater, welches sich augenscheinlich in gutem Zustand befindet, jedoch wegen Einsturzgefahr für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Das Theater ist im griechischen Stil erbaut und bot etwa 14000 Zuschauern Platz.
Ein Stück weiter befindet sich das Stadion, welches zu den am Besten erhaltenen zählen soll und auch etwa 14000 Zuschauern Platz bot.
Aktuell wird hier in Teilbereichen ausgegraben. Der Eingangsbereich im Süden ist leider nicht mehr vorhanden, aber die Gewölbestrukturen, auf denen die Zuschauerreihen aufbauen, sind sehr gut erhalten.
Einige dienten als weitere Zugänge zum Stadion, die meisten wurden aber als Geschäfte oder Lagerräume genutzt.
Nun gehen wir in den Hauptteil der Stadt.
Eigentlich hat die Stadt zwei südliche Stadttore. Das neuere Tor schützte die Stadterweiterungen, die zu römischer Zeit, also etwa im 1. Jh. n. Chr. erbaut wurden.
Der Erweiterungsteil enthält auf der linken Seite eine großzügige Bäderanlage, bei der auch die damals gebräuchliche Heiztechnik zu bewundern ist.
Brunnen, Becken und Ruheräume wechseln sich ab und alles war äußerst luxuriös mit Marmor gestaltet.
Das ältere Tor, etwa 80 Meter weiter innen liegend, stammt wie die Stadtmauer aus dem 3. Jh. v. Chr. und ist wesentlich eindrucksvoller, ist es doch innen, hinter den mächtigen Wehrtürmen um einen hufeisenförmigen "Empfangsbereich" erweitert, der zu damaliger Zeit mit Marmor ausgekleidet und mit Statuen geschmückt war (die Statuen werden wir uns im Museum in Antalya ansehen).
Von hier aus führt der Weg direkt auf die prachtvolle, beeindruckende Kolonnadenstraße und dann weiter in nördlicher Richtung quer durch die Stadt bis zum Nymphäum (zur Zeit Restaurierungsarbeiten) wo dann der Akropolis-Hügel die nördliche Grenze der Stadt markiert.
Die Prachtstraße war "zweispurig" angelegt; in der Mitte ein vom nördlichen Nymphäum gespeister Wasserlauf, aussen schattenspendende Säulengänge vor Wohn- und Geschäftshäusern.
Im nördlichen Teil der Kolonnadenstraße kreuzt eine weitere recht breite Straße, die durch die ganze Stadt vom östlichen bis zum westlichen Stadttor führt. (Typisch Cardo und Decumanus)
An dieser Straße, im nord-westlichen Teil der Stadt, liegen die Ruinen der Palästra mit einer noch sehr gut erhaltenen Fassade; im nord-östlichen Teil liegt ein weiterer Tempel.
Besonders spannend finden wir drei Spielpläne, die an verschiedenen Stellen am Straßenrand gefunden wurden.
Beim Rückgang sehen wir natürlich auch die Agora mit Stoa an, die von Säulengängen und kleinen Parzellen umgeben ist, in denen Geschäfte untergebracht waren.
Schon leicht sonnenverbrannt und sehr schwitzig, aber glücklich über so tolle Antikenstätten, essen wir im Schatten unsere Snacks (Börek und Simit) und brechen dann nach Antalya zum Hotel auf.