Oktober 19, 2024
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Nach einer erholsamen Nacht wollen wir nach dem Frühstück heute als erstes die Suleiman Moschee und ihre Umgebung besichtigen. Das ist der Bezirk, den wir am ersten Abend im Dunkeln fotografiert haben. Die Moschee aus der Mitte des 16. Jh. ist wunderschön auf einer Terrasse über dem goldenen Horn gelegen und von weitläufigen Parkanlagen umgeben. Wir ziehen unsere Schuhe aus und begeben uns ins Innere. Die große Kuppel misst 27 m Durchmesser und ist nur auf 4 mächtigen äußeren ca. 30 t. schweren Säulen gelagert. Außen genießen wir bei Sonnenschein tolle Fernblicke über das Goldene Horn und den Stadtteil Karaköy. Neben der Moschee befinden sich die Mausoleen von Suleiman dem Prächtigen und seiner Gattin aus dem 16. Jh. Wir verlassen den Moscheebezirk und schauen an einer Reihe Lädchen von Istanbuler Kreativen und Designern vorbei, die in die Mauernischen unterhalb des Moscheebezirks eingebaut sind. Leider sind 90% geschlossen. Über steile Straßen und Gassen geht es nun hinunter bis zum fast am Ufer des Goldenen Horns gelegenen Gewürzbasar von 1664.Die Tees und Gewürze scheinen Massenware zu sein, interessant ist aber, was außen alles angeboten wird: Tierfutter, lebende Tiere und sogar Blutegel. Vermutlich werden sie zu traditionellen Gesundheitsbehandlungen benutzt.
Vorbei an der schönen Yeni Moschee aus dem 17. Jh. begeben uns nun über die, von hunderten Anglern gesäumte, Galatabrücke über das Goldene Horn ans andere Ufer.Der als Pontonbrücke ausgeführte Vorgänger der heutigen Galatabrücke wurde von den deutschen MAN Werken 1912 zum Preis von 350000 Goldlira konstruiert. 
Im Stadtteil Karaköy finden wir schnell die Tünel genannte zweitälteste U-Bahn der Welt (nach London) aus dem Jahr 1875. Es handelt sich um eine Standseilbahn die uns nur etwa 600 Meter den Hang hochfährt. Damit gilt sie als eine der kürzesten U-Bahn Linien der Welt. Oben auf dem Galatahügel stärken wir uns, gegenüber dem schwedischen Konsulat, erst einmal mit Kaffee und Kuchen. Im Anschluss folgen wir der bombastisch großen Fußgängerzone noch für einige hundert Meter, besuchen die Ausstellung eines Malers namens Komet, bevor wir umkehren und hangabwärts in Richtung Galataturm steigen. Auf der steilen Hauptgasse diese Künstlerviertels fallen uns besonders viele Instrumentenfachgeschäfte auf.Dieser namensgebende, etwa 70 m hohe Galata-Turm aus dem 14. Jh. steht an der Stelle eines zerstören byzantinischen Vorgängerbaus und überragt die Gassen des Hangs. Zur osmanischen Zeit, nach 1453 waren hier die Janitscharen stationiert. Man kann ihn auch besichtigen, aber der Preis ist exorbitant, wie bei allen Sehenswürdigkeiten hier: 30€ pro Person für einen doofen Turm? Wir passen...das grenzt an Halsabschneiderei. 25€ pro Person für die Hagia Sophia, ok, aber das geht zu weit. Wieder unten queren wir das Goldene Horn erneut im Abendlicht und nehmen auf der Altstadtseite, unseren müden Füßen zu Liebe, die Straßenbahn zurück ins Universitätsviertel. Zu Abend essen wir wieder leckere Zurma Dürum mit Ayran. Ganz in der Nähe des Hotels, im Vefa Viertel, lockt uns ein Menschenauflauf vor einem schönen historischen Gebäude an. Innen schöpfen Männer in Firmenkleidung eine Art dünnflüssigen, gelben Pudding aus einem traditionellen Marmorbottich in Becher. Wir müssen der Sache auf den Grund gehen und probieren. Es handelt sich um Vefa Boza, ein leicht alkoholisches, süßliches, aus fermentiertem Hirsegries, Wasser und Zucker hergestelltes Getränk, das seine Ursprünge bereits im antiken Babylon haben soll. Nomadenstämme brachten es aus Zentralasien mit nach Anatolien. Es war das Leibgetränk der Janitscharen, gilt als sehr gesund und enthält viele Vitamine und Ballaststoffe. Das Hotel ist praktisch um die Ecke und so können wir schon bald im Zimmer die Füße hochlegen.