Oktober 20, 2024
0
Nach dem Frühstück nehmen wir heute den kurzen Weg hinunter in Richtung Goldenes Horn. Ein paar Straßenzüge lang wirken die Viertel hier wirklich wie Slums. Unten, näher am Goldenen Horn, wird es wieder etwas besser. Wir überqueren es auf auf dem Fußgängersteig einer hochmodernen Straßenbahnbrücke. Auf der Karaköy Seite gehen wir an einer gepflegten Uferpromenade entlang bis zu den Anlegern. Hier wollen uns aufdringliche Straßenverkäufer Bootstouren für 20€ pro Person anbieten. Wir haben aber recherchiert und lehnen dankend ab. Online gebucht über die deutsche Agentur "getyourguide" bekommen wir eine ähnliche Bootsfahrt ab einem anderen Anleger für unter 7€ pro Person. Wir fahren mit der Straßenbahn zum Kabatas Kai und können vor der Abfahrt um 12.45 Uhr noch einen Kaffee schlürfen. Das Schiff ist sehr gepflegt und modernisiert, wir sind fast die ersten an Bord und suchen uns ein gutes Plätzchen auf dem Sonnendeck am Heck. 
Die Bootsrundfahrt auf dem Bosporus führt an einigen der bedeutendsten Bauwerken der Stadt vorbei. Unsere Reise beginnt mit einem Blick auf den prächtigen Dolmabahçe-Palast, der zwischen 1843 und 1856 erbaut wurde. Dieser beeindruckende Bau im neoklassizistischen Stil mit barocken und Rokoko-Elementen ersetzte den Topkapi-Palast als Residenz der osmanischen Sultane.
Unweit davon folgt der Çırağan-Palast, der in den 1860er Jahren im neo-osmanischen Stil errichtet wurde und heute als Luxushotel dient. 
Weiter nördlich passieren wir die beeindruckende Rumeli-Festung, die im Jahr 1452 unter Sultan Mehmed II., dem Eroberer, errichtet wurde. Diese mächtige Festung spielte eine Schlüsselrolle bei der Eroberung Konstantinopels. Kurz darauf wenden wir unter der modernen Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke, die 1988 als zweite Hängebrücke über den Bosporus fertiggestellt wurde. Unweit von hier weitet sich der Bosporus und man wäre im schwarzen Meer.
(Fotos der asiatischen Seite habe ich mit der Kamera, statt dem Handy fotografiert. Ich muss sie zu Hause einbinden.)
Auf der asiatischen Seite bietet sich ein wunderbarer Blick auf die kleinere, aber historisch bedeutsame Anadolu-Festung, die bereits im 14. Jahrhundert erbaut wurde. In der Nähe erblicken wir den eleganten Küçüksu-Pavillon, der 1857 als Sommerresidenz der osmanischen Sultane im spätbarocken Stil vollendet wurde.
Ebenfalls auf der asiatischen Seite liegt der imposante Beylerbeyi-Palast, der zwischen 1861 und 1865 errichtet wurde und als Gästehaus für ausländische Staatsoberhäupter diente. Dieser Palast verbindet Elemente der osmanischen und europäischen Architektur des 19. Jahrhunderts.
Zum Abschluss unserer Fahrt können wir in der Ferne den Mädchenturm, der sich auf einer kleinen Insel im Bosporus befindet, ausmachen. Seine Ursprünge reichen bis in die byzantinische Zeit zurück, wobei der heutige Turm in den 1720er Jahren errichtet wurde.
Nach der Rückkehr fahren wir mit der vollen Straßenbahn der Linie T1 zurück auf die Altstadtseite und steigen beim Hippodromplatz aus. Hier zwischen Hagia Sophia und Blauer Moschee herrscht heute sehr großer Besucherandrang. Wir versuchen unser Glück an der Blauen Moschee und siehe da: keine Warterei und kein Eintritt - kurze Schlange, Kopftuch für Moni auf, Schuhe ausziehen und schon sind wir drinnen. 
Dieses architektonische Meisterwerk wurde zwischen 1609 und 1616 unter der Herrschaft von Sultan Ahmed I. erbaut. Sie gilt als Höhepunkt der klassischen osmanischen Architektur und ist bekannt für ihre prachtvollen blau-weißen Fliesen, die ihr den Namen “Blaue Moschee” einbrachten.
Mit ihrer mächtigen Hauptkuppel, die einen Durchmesser von 23,5 Metern und eine Höhe von 43 Metern erreicht, dominiert die Moschee die Silhouette der Stadt. Sie besitzt sechs Minarette – ein ungewöhnliches Merkmal, das zu ihrer Zeit nur die Heilige Moschee in Mekka vorweisen konnte.Um dieses religiöse Gleichgewicht wiederherzustellen, ließ Sultan Ahmed in Mekka ein siebtes Minarett hinzufügen.
Das Innere der Moschee zieren über 20.000 handgefertigte İznik-Fliesen, die überwiegend in Blau und Weiß gehalten sind und Blumenmotive sowie klassische osmanische Ornamente zeigen. Insgesamt 260 Fenster tauchen das Innere in ein besonderes Licht.
Die Moschee ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein Symbol für die Macht und den Ehrgeiz des osmanischen Reiches im 17. Jahrhundert. Anschließend sehen wir uns auf dem Hippodromplatz noch die Stelen an, wobei die Schlangenstele aus Delphi, die einst von einem massiven goldenen Kessel gekrönt war, die Interessanteste ist. Das Waschhaus auf dem Hippodrom schenke Kaiser Wilhelm der II. Istanbul anlässlich seines Besuchs 1898. Wir streifen noch etwas durch Altsstadtgassen, die wir noch nicht kennen. Auf dem Weg finden wir noch die kleine, aber architektonisch bedeutsame Sokullu Mehmet Pascha Moschee von 1572. Auch sie besitzt die blauen Iznik Fliesen, wie die blaue Moschee. Im Innern ist das Fotografieren leider untersagt.Mit müden Füßen trinken wir in unserer Essstraße nahe des Hotels noch einen Kaffee, essen Zurma zu Abend und eine Waffel als Nachtisch.