Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht direkt am Hafen von Faaborg beginnen wir den Tag mit einem ausgiebigen Spaziergang durch die aufwachende Stadt.
Vom Marktplatz aus ziehen uns die kopfsteingepflasterten Gassen mit ihren farbenfrohen Fachwerkhäusern fast wie von selbst an.
Das Morgenlicht taucht die alten Fassaden in ein warmes Licht, sodass unsere Kameras schon vor dem ersten Termin einiges zu tun bekommen.
Um Punkt 11 Uhr treffen wir uns auf dem Hauptmarkt mit unserer Führerin zu einer deutschsprachigen Stadtführung, die uns noch tiefere Einblicke in die Historie dieser charmanten südfünischen Handelsstadt gewährt.Faaborg blickt auf eine lange Geschichte zurück, deren Wurzeln im Mittelalter liegen. Besonders eindrucksvoll ist der mächtige Glockenturm, das Wahrzeichen der Stadt.Er ist der verbliebene Rest der einstigen Sankt-Nikolai-Kirche aus dem 15. Jahrhundert, die nach der Reformation abgerissen wurde. Die Faaborger lieben ihren freistehenden gelbgetünchten Turm aus Backstein innig, und sein Glockenspiel erklingt mehrmals täglich über den Dächern. Ein weiteres historisches Kleinod ist das Westertor, auf Dänisch Vesterport. Es zählt zu den ganz wenigen erhaltenen mittelalterlichen Stadttoren im gesamten Land und erinnert an die Zeit, als Faaborg noch von Schutzmauern umgeben war. Unsere Tour führt uns zudem an eindrucksvollen alten Kaufmannshöfen vorbei, darunter der Hof Riberg und der berühmte Gamle Gaard. Diese ausgedehnten Hofanlagen erzählen vom einstigen Reichtum der Händler, die hier Getreide und Waren über die Ostsee verschifften.
Nach der Führung erkunden wir den Gamle Gaard noch einmal in aller Ruhe auf eigene Faust. Das Museum entführt uns direkt in das Leben vergangener Jahrhunderte. Die liebevoll und authentisch hergerichteten Räume vermitteln das Gefühl, als hätten die alten Bewohner das Haus nur kurz verlassen. Nach dem Rundgang lassen wir im idyllischen Innenhof und dem verträumten Garten die Seele baumeln. Natürlich gehört eine entspannte Pause mit Kaffee und leckerem Kuchen einfach dazu. Bevor wir weiterziehen, decken wir uns im Museumsgarten noch mit Samen für farbenfrohe Stockrosen ein, damit ein Stück Faaborger Gemütlichkeit später auch bei uns zu Hause aufblüht.
Anschließend schlendern wir hinüber zum Hafenbereich, wo das Kunst- und Kulturzentrum Schlachterei seinen Platz gefunden hat. In den umgestalteten Hallen des ehemaligen Schlachthofs herrscht kreativer Wusel. Regionale Künstler stellen hier ihre Werke aus, während parallel kreative Upcycling-Workshops und Vorführungen stattfinden. Es ist faszinierend zu sehen, wie altes Gewerbe und moderne Kultur an einem solchen Ort miteinander verschmelzen. Nach einem kurzen Abstecher zum örtlichen Supermarkt, wo wir uns mit neuem Proviant für die Weiterfahrt eindecken, verlassen wir Faaborg und folgen der malerischen Küstenstraße.
Die Route führt uns durch sanfte Hügellandschaften und verträumte Ortschaften. In Vester Skerninge können wir einfach nicht vorbeifahren ohne anzuhalten. Die schmucke alte Dorfkirche und der benachbarte alte Kro bilden zusammen mit den reetgedeckten Häusern ein absolut malerisches Ensemble, das wie aus einem dänischen Bilderbuch wirkt. Hier halten wir inne, genießen die Stille und lassen die Architektur auf uns wirken.
Wenig später legen wir in Otterup einen sportlichen Zwischenstopp ein. An einer dortigen Sportschule wartet ein wunderbar angelegter 14-Loch-Discgolfparcours auf uns. Bei bestem Wetter werfen wir eine richtig tolle Runde und genießen die Bewegung an der frischen Luft. Direkt neben den Bahnen entdecken wir zudem einen kleinen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Bemerkenswerte daran ist, dass dieser historische Unterstand völlig frei und kostenlos zugänglich ist. Keine Absperrungen, keine Schmierereien, kein Vandalismus – der Bau ist absolut sauber und unversehrt. In Deutschland wäre ein solcher Ort vermutlich längst verwüstet oder mit Graffiti übersät. Glückliches Dänemark, wo Vertrauen und Respekt vor Geschichte und öffentlichem Eigentum noch so selbstverständlich gelebt werden.
Gegen Abend erreichen wir schließlich die Hafenstadt Svendborg. Am Rande der Stadt finden wir ein traumhaftes Plätzchen direkt am Meer, komplett ausgestattet mit einem hölzernen Picknicktisch und einer feinen Badestelle. Während das Wasser leise an das Ufer plätschert lassen wir den Tag ausklingen. Morgen steht die Erkundung Svendborgs auf unserem Programm.