Juni 06, 2026
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Ein gutes Frühstück ist das halbe Leben – besonders, wenn man die Nacht davor unfreiwillig auf den Beinen verbracht hat. Nach dem zweiten nächtlichen Feueralarm in Folge stand beim morgendlichen Buffet im Hotel erst einmal ein ernstes Wort mit dem Management auf der Agenda. Zweimal in zwei Nächten im Pyjama auf der Straße zu stehen, hebt die Urlaubsstimmung nur bedingt. Mit einer entsprechenden Beschwerde im Gepäck und frisch gestärkt machten wir uns schließlich auf den Weg.
Mit dem Wochenend-Gruppenticket ging es entspannt mit dem Zug von Aarschot über Leuven direkt zum Bahnhof Brüssel-Centraal.
Vom Hauptbahnhof stolpert man quasi direkt hinein in das Viertel Kunstberg (Mont des Arts). Nach dem Aufstieg wird man mit einem fantastischen Panoramablick über die Stadt belohnt. Hier trennten sich unsere Wege für den Vormittag, bestückt mit Audioguides ging es in zwei völlig unterschiedliche Welten:
Gruppe 1: Das Musikinstrumente-Museum (MIM)
Schon von außen ist das Gebäude im ehemaligen Kaufhaus *Old England* ein Jugendstil-Traum aus Stahl und Glas. Drinnen wartet eine der weltweit größten Sammlungen ihrer Art. Dank des interaktiven Audioguides erwacht das Museum regelrecht zum Leben: Sobald man vor einer Vitrine steht, spielt der Kopfhörer die Klänge des jeweiligen Instruments ab. Zu sehen gibt es alles von historischen Sackpfeifen, kunstvollen Cembali aus dem 16. Jahrhundert bis hin zu skurrilen Erfindungen wie dem Theremin. Ein Fest für Augen und Ohren!
Gruppe 2: Das Museum Coudenberg
Hier ging es sprichwörtlich tief in die Geschichte Brüssels. Das Museum ist eine unterirdische archäologische Ausgrabungsstätte direkt unter dem heutigen Königlichen Platz. Hier befand sich einst der prachtvolle Palast von Karl V., der 1731 durch ein verheerendes Feuer zerstört wurde. Man wandert durch die freigelegten, unterirdischen Gänge, Kellergewölbe und über die Reste der alten Isabellastraße. Der Audioguide führt einen fantastisch durch das Labyrinth aus historischen Fundamenten, alten Mauern und den Geist des einstigen Machtzentrums Europas.
Wieder vereint führte uns der Weg vorbei am Palais Royal, der offiziellen Residenz des belgischen Königs (zumindest für Amtshandlungen). Die imposante Fassade wirkt direkt neben dem weitläufigen Brüsseler Park herrlich majestätisch. Nach so viel Kultur war es Zeit für ein Ritual: die erste Waffel des Tages! Frisch, warm und genau die richtige Stärkung für den Abstieg in die historische Altstadt.
Dort angekommen durfte der nächste kulinarische Pflichttermin nicht fehlen: echte belgische Pommes. Außen knusprig, innen weich, zweifach frittiert – genau so muss das sein.
Der Himmel hatte allerdings andere Pläne mit uns. Beim Betreten der Galeries Royales Saint-Hubert, der berühmten, prachtvollen historischen Einkaufspassage aus dem 19. Jahrhundert mit ihrer beeindruckenden Glasüberdachung und den edlen Chocolatiers, war die Welt noch in Ordnung. Doch als wir uns im Anschluss in die deutlich kleinere, aber charmante Galerie du Nord wagten, öffnete der Himmel endgültig seine Schleusen.
Der Weg zur Kathedrale wurde zur echten Willensprobe. Bei fiesem, peitschendem Wind und waagerechtem Regen kämpften wir uns mit den Regenschirmen vorwärts. Das Ziel entschädigte jedoch für alles: die Kathedrale St. Michael und St. Gudula.
Dieses Meisterwerk der Brabanter Gotik ist einfach überwältigend. Typisch für diesen regionalen Stil sind die monumentale, zweitürmige Westfassade (die stark an Notre-Dame in Paris erinnert) und das hell und elegant wirkende Innere. Besonders beeindruckend im Inneren sind die barocken Apostelfiguren an den Hauptpfeilern, die monumentale, geschnitzte Holzkanzel aus dem 17. Jahrhundert und die prächtigen Buntglasfenster, durch die das Licht trotz des grauen Wetters mystisch schimmerte.
Kaum traten wir wieder vor die Tür, zeigte sich Brüssel von seiner wechselhaften Seite: Die Sonne kam heraus, als wäre nichts gewesen. Auf dem Rückweg in Richtung Hauptbahnhof stießen wir dann auf ein größeres Polizeiaufgebot und lautstarke jugendliche Demonstranten, die die Straßen belagern – leider sehr radikal und gewaltbereit.
Die Heimfahrt im Zug verlief reibungslos via Leuven zurück nach Aarschot. Jetzt heißt es im Hotel erst einmal kurz die Füße hochlegen und die nassen Sachen trocknen, bevor es heute Abend zum gemütlichen Ausklang geht: Das Foodtruck Festival wartet schon auf uns!

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